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2 den Holländern nicht in den Kopf, dafs der regelmäfsige Belauf
der Ausgaben dem Einkommen gleich sein sollte, und wo dies ja der
Fall wäre, da glauben sie ein Jahr umsonst gelebt zu haben. MKEine
solche Lebensart bringt den Menschen dort ebenso um seinen Ruf wie
in anderen Ländern: lasterhafte Ausschweifungen. ”) So schildert
Richesse de Hollande (1. 305) ein reiches Dorf bei Amsterdam, wo
ein Mann mit 120000 Gulden Einkommen vielleicht nur 1000 Gulden
für sich ausgiebt.?) Schon Defoe erzählt, dafs während ein Engländer
seiner Zeit mit 20 Schilling wöchentlichem Verdienste gerade ausreicht,
 ein Holländer damit reich wird und seine Kinder in blühenden
Umständen zurückläfst. °) Auch die Franzosen gelten als ein besonders
sparsames Volk, wenngleich sie oft nur während einer Hälfte ihres
Lebens sparen, also das Sparen früh aufgeben. Smiles in seinem
Buche über die Sparsamkeit erkennt an, dafs die arbeitenden Klassen
in Frankreich und Belgien zu den vorsichtigsten und sparsamsten
Leuten der Welt zählen. Sie legen ihre Ersparnisse hauptsächlich
;n Landkäufen und Staatspapieren an.’ Die Franzosen und Belgier
haben einen förmlichen Hunger nach Land, sie sparen alles, was sie
können, zu dem Zwecke, noch mehr zu erwerben.*) Auf der anderen
Seite geht nun aus den oben angeführten von Rae gegebenen Beispielen
 hervor, dafs es auch wiederum Völker giebt, die die zur
Entwicklung des Sparsinns nötigen Eigenschaften absolut nicht besitzen.
 Auch der Engländer lebt gewöhnlich fiott (Roscher 222). Hier
liegen die anderen Bedingungen (Klima, Kulturstufe u. 8. w.) doch
wesentlich wie in Frankreich, das geringere Vorhandensein des Sparsinns
 muls also doch auf einen ursprünglichen Charakterunterschied.
beider Völker zurückgeführt werden. ®)
zur Sparsamkeit zu erziehen, es sind also mehr pädagogische Malsregeln, die
keineswegs aus Geiz zu entspringen brauchen,
1) Temple Observations on the U. Provinces Works I, 136. 148 fe., 176.
?) Roscher, Grundlagen 5 222, Anm. 1.
;) D. Defoe, Giving alms no charity 1704.
4) Samuel Smiles „Die Sparsamkeit“. Deutsch von Dr. Moritz Busch.
Leipzig 1890. Siehe S. 200.
5) Vergl. Edmond Demolins: A quoi tient la superiorit6 des Anglo-Saxons
‘Librairie de Paris) S. 88 bis 90. Der Verfasser erkennt an, dafs in Frankreich
mehr „Geld“ gespart werde als in anderen Ländern, führt das aber auf zwei
Umstände zurück: 1. die geringere Kinderzahl Frankreichs; die Eltern sparten dadurch
 viel an Erziehungskosten, die in Deutschland oder England unter Umständen
 das ganze KHinkommen einer kinderreichen Familie absorbieren können,
Man könnte hinzufügen, dafs bei geringer oder abnehmender Bevölkerungs-„nahme
 auch durch Erbfall die Vermögen nicht geteilt werden, eher auf ein-