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San _ Ist so der Sparsinn einesteils eine angeborene Eigenschaft von
„dinns. Individuen und Völkern, so kann er doch anderseits durch äufsere
ziehung. Umstände ‚entwickelt und gekräftigt werden. Man hat beobachtet,
dafs der Sparsinn bei den Völkern der Tropen und denen des höchsten
Nordens verhältnismäfsig am wenigsten entwickelt ist. Die Erklärung
liegt hier nahe. Dort, wo wie in den Tropen, die Natur für jedermann
 ‘reichlich den Tisch gedeckt hat, wo Früchte in überreicher
Menge auch dem Armsten in den Schofs fallen, dort kommt der erste
Anreiz zum Sparen in Wegfall, nämlich die Vorsorge für Zeiten der
Not und des Mangels. Im höchsten Norden dagegen ermuntert die
unerbittliche Kargheit der Natur zu wenig den Sparsinn des Menschen
durch Aussicht auf späteren Erfolg, der Mensch wird indolent und
giebt es auf, seine Lage verbessern zu wollen, sich eine schönere
Zukunft auszumalen. In beiden angeführten Fällen wirkt die Natur
nicht erzieherisch auf den menschlichen Sparsinn. Ganz anders im
gemäfsigten Klima, wo wir durch die Natur zur Vorsorge für Zeiten
des Mangels angehalten werden, aber zugleich für unsere Ersparnisse
reichliche Belohnung empfangen. Die Natur ist hier eine gütige
Mutter, die uns die Notwendigkeit strenger Sparsamkeit lehrt, uns
aber dann auch die verdienten Früchte nicht vorenthält. !)
Auch durch ihre Schicksale werden Völker zur Sparsamkeit erzogen.
 Völker, die stets vom Glücke begünstigt waren, haben nie
den Segen der Sparsamkeit kennen gelernt, mifshandelte, geknechtete,
unterdrückte Völker haben das Sparen schliefslich verlernt. Im

zelne zusammenfallen, was diesen das Sparen natürlich erleichtert, wodurch
aber freilich nur ephemere Ersparnisse gezeitigt werden können, da die Arbeitskraft,
 die erste Quelle des Reichtums, sich ja durch die abnehmende Geburtenjendenz
 verringern mufs, %. Die Tendenz der modernen Franzosen, sich, sobald
sie ein kleines Vermögen erworben haben, den sogenannten liberalen Berufen,
jem Beamten und Offiziersstande zuzuwenden und deswegen ihr Geld lieber in
Staatspapieren oder in ausländischen Werten statt in der eigenen Industrie oder
im heimischen Ackerbau anzulegen, wodurch, da man bei Schätzung volkswirtschaftlicher
 Ersparnisse hauptsächlich die ersteren Werte berücksichtigt, diese
Ersparnisse im Verhältnisse zu anderen Ländern gröfser erscheinen, als sie es
faktisch sind.
1) Siehe Smiles S. 58: „Man sagt, dafs unter gesitteten Völkern die Kälte
die Mutter der Genügsamkeit sei. So verdanken die nördlichen Völker Europas
ainen Teil ihrer gedeihlichen Zustände der Strenge ihres Klimas. Die Kälte
nötigt sie, während des Sommers zu sparen, für Nahrung, Feuerung und Kleidung
während des Winters zu sorgen. Sie ermuntert zum Häuserbau, zum wirtschaftlichen
 Haushalten, Daher ist Deutschland fleifsiger als Sizilien, Holland und
Belgien fleifsiger als Andalusien. Nordamerika and Kanada fleifsiger als Mexiko.“