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ersten Falle, wie die Römer zu Zeiten ihrer Weltherrschaft vom
GHlücke verwöhnt, rechnen sie nicht mehr mit der Möglichkeit eines
eintretenden Mangels, im anderen Falle hat ein hartes Geschick ihnen
jede Hoffnung auf etwas Besseres, sogar die Gabe, sich einen schöneren
Zustand vorzustellen, geraubt, Die Erziehung durch die Geschichte
antspricht also genau der Erziehung durch die äufsere Natur. Nur solche
Völker, die durch harte Zeiten hindurchgegangen sind, die genötigt
waren vorzusorgen, die durch die eiserne Not der Zeit zur Sparsamkeit
arzogen, aber nicht erdrückt worden sind, nur solche Völker kennen die
wahre Sparsamkeit. Aus den oben angeführten Beispielen aus der
Geschichte des Bauernstandes geht hervor, wie ganze Stände durch
sine harte Geschichte zur Sparsamkeit erzogen werden‘ können.
Ein weiterer wichtiger Faktor, der indirekt den Sparsinn ausbilden
 kann, ist der Beruf. Es ist sicher, dafs in jenen Berufen, die
ein gleichmäfsiges sicheres Auskommen gewähren, mehr gespart wird
als in denen, wo die Spekulation Kinflufs hat, die Chancen wechseln,
auf Überflufs Mangel folgt. Eigentlich sollte gerade in diesen letzteren
Berufen mehr gespart werden, der Mensch sollte sich bemühen, durch
Sparsamkeit die guten und schlechten Tage auszugleichen, im Glück für
die kommende Not vorsorgen. Es ist aber bekannt, dafs weder Kriegsleute
 und Seeleute !) noch Goldsucher, Spieler und Spekulanten sparsam
sind, sei es, dafs der Glückswechsel hier ein zu schroffer ist, dafs die
Zeit grofsen Glücks den Menschen verblendet, sei es, dafs die Gewöhnung
 sich dem Glück und seinen Chancen anzuvertrauen, das
Gefühl der Selbstverantwortlichkeit, das Pflichtgefühl, für die Zukunft
vorsorgen zu müssen, abstumpft.
Ist so die Entwicklung des Sparsinns im einzelnen von Klima,
Schicksal und Beruf abhängig, so wird sie im allgemeinen von keinem
Faktor so sehr wie von der Entwicklung der Kultur beeinflufst.
Man kann wohl sagen, dafs Kulturfähigkeit identisch sei mit der
Möglichkeit, den Sparsinn zu entwickeln, dafs die Ausbildung des
Sparsinns gemeinsam mit der Kulturentwicklung fortschreite und
dafs demgemäfs in den höchst kultivierten Ländern am meisten gespart
 werde. Die von Rae über die Indianer und den Jesuitenstaat
gegebenen Beispiele (siehe oben) zeigen deutlich, wie dort wo der
Sparsinn nicht vorhanden und nicht einzupflanzen ist, eine Kulturentwicklung
 sich als unmöglich herausstellt; der Wilde kennt den
Sparsinn nicht, den Indianern und Eskimos hat das Sparen erst von

x Siehe Roscher, Grundlagen 8 45 Anm. 4.