das

Juellen Erziehung zu Hilfe kommen und von sich aus den Sparsinn
zu entwickeln suchen. So kann er z. B. den Reichen indirekt durch
Beschränkung des Luxus zur Sparsamkeit anhalten. Luxusverbote
haben sich freilich stets als machtlos erwiesen, immerhin aber kann
durch passende Luxussteuern auf Einschränkung desselben hingearbeitet
werden; durch Errichtung von Volkssparkassen kann der Staat anderseits
 den ärmeren Klassen das Sparen erleichtern. Es ist bekannt,
wie viel Gutes die Volkssparkassen gethan haben, eine weitere Ausbildung
 derselben, Errichtung einer Reichssparkasse oder die Elinführung
 von Postsparkassen ist ein besonders für Deutschland dringendes
Bedürfnis, die Einrichtung derselben würde dem Sparen gerade der
ärmeren Stände grofsen Vorschub leisten und hier den Sparsinn immer
mehr einbürgern. Über den Wert von Schulsparkassen, die auch die
Kinder bereits zum Sparen erziehen sollen, sind die Ansichten ja sehr geteilt,
 jedenfalls werden solche Kassen die J ugend ans Sparen gewöhnen.
Sehr interessant ist hier die Frage, in welcher Richtung die Versicherungsgesetzgebung
 wirkt. Es wäre anzunehmen, dafs dadurch,
Jafs der Arbeiter sich gegen die Sorgen des Alters und der Invalidität
geschützt sieht, sein Selbstrerantwortlichkeitsgefühl, das Gefühl der
Pflicht, für die Zukunft vorsorgen zu müssen, vermindert wird, dafs
dadurch, dafs der erste Antrieb zum Sparen, die Sorge vor eintretender
Not, wegfällt, der Spartrieb selbst geschwächt werde. Denselben Ein-Aufs
 würde in vielleicht noch höherem Mafse die Einführung einer
Witwen- und Waisenversicherung haben. Natürlich würde ein solcher
Nachteil durch andere Mafsregeln ausgeglichen werden können, um
jedenfalls von den übrigen Vorteilen einer solchen Versicherung
reichlich aufgewogen zu werden. Wir brauchen auf diese Frage hier
nicht näher einzugehen, da wir auf sie bei Besprechung der staatlichen
Sparpolitik zurückkommen werden. Schliefslich kann auch durch das
Beispiel der Regierung auf das Volk eingewirkt werden. Friedrich
Wilhelm I. und Friedrich der Grofse haben ihr Volk nicht zum
wenigsten durch ihr Beispiel zur Sparsamkeit erzogen. Die einfachen
und sparsamen Sitten der Könige wirkten als gutes Beispiel zuerst
auf die oberen Stände, von da auf das ganze Volk, Der Hof eines
Louis XIV. und Louis XV. bietet ein Beispiel einer genau entgegengesetzten
 Beeinflussung. Kommt eine solche Erziehung den
natürlichen Charaktereigenschaften eines Volkes, wie sie sich durch
den Einflufßs des heimatlichen Bodens, durch jahrhundertlange Geschichte
 entwickelt haben, entgegen, so kann sie grofse Erfolge erzielen,
