Teil L

Merkantilisten, Physiokraten und Adam Smith.

Die Merkantilisten betrachteten den Handel als die Quelle
jes Reichtums. Auch Adam Smith hebt es in seiner Kritik als
den Kernpunkt ihrer Lehre hervor, dass sie eine Nation lieber
durch Verkehr und Industrie als durch Verbesserung und Anbau
des Bodens reich werden sehen wollten. Die späteren Vertreter
dieser Lehre hielten dann den Handel auch schon deshalb —
nicht nur wegen der Geldeinfuhr — für wichtig, sondern weil
er die produktive Kraft .des Landes, die durch den inneren Markt
begrenzt war, ausdehnte und neuen Absatz für die einheimischen
Produkte und Fabrikate schaffte, Und darin erbliekten sie dann
auch eine Förderung der Landwirtschaft durch den Handel.
Dies galt aber nur für den Aussenhandel, der innere Handel
wurde wenig beachtet. Der Aussenhandel war zu begünstigen
um möglichst grossen Nutzen für die Industrie zu stiften. Als
Reaction auf diese Lehren kamen die Physiokraten, die im Ackerbau
 die wahre Quelle des Reichtums sahen und Handel und Industrie
 nicht begünstigt wissen wollten. *)
Mit dem Erscheinen des Adam Smith’schen Werkes ist eine
Gesamtdarstellung der Volkswirtschaftslehre gegeben und die
Untersuchung, wie definiert der Autor Produktion, Handel, und
welche Stellung weist er dem Handel in seinem System an, kann
hier einsetzen. Was Adam Smith unter Produktion versteht,

*) Bezüglich der Stellung der Merkantilisten und Physiokraten wird
auf die eingehenden Ausführungen von V. Mangoldt, Volkswirtschaftslehre
Stuttgart 1868 S. 19 ff. verwiesen. Eingehende Erörterungen über die Lehre
von der Productivität bei Smith, Ricardo, Say finden sich bei Theodor Bernhardi,
 Versuch einer Kritik der Gründe für grosses und kleines Grundeigen-Ihum.
 St. Petershurg 1849.