30

hat. Derselbe Vorrat an Gütern erhält durch eine angemessene
Verteilung im Lande einen höheren Wert.“ Dies ist z. B. bei
der Kohle der Fall. Auch die Thätigkeit des Bergmanns ist nur
eine Ortsveränderung, wenn er die Kohle an den Tag fördert,
und wenn sie dort liegen bliebe, würde sie wertlos sein. Da
muss denn eine Verfrachtung eintreten und eine Überführung an
die Orte des Bedarfs. Dasselbe gilt von der Ernte, die auf dem
Felde verderben würde, und von den * fertigen Waren am Fabriksort.


Der Landwirtschaft, der Industrie und dem: Handel ist dieselbe
 Bedeutung zuzuschreiben. Der Handel hat einen Teil des
gesamten Produetionsprocesses auf sich zu nehmen, und ist deshalb
 bald als Zwischenglied, bald als Schlussglied der Produetion
anzusehen; der Landwirt und der Industrielle brauchen das
Mittelglied als Fortsetzung des Productionsprocesses, Bei richtigver
 Handhabung vermag auch der inländische Handel das Volksvermögen
 zu steigern, es tritt durch menschliche Arbeit eine
Werterhöhung von Waren ein. Er muss als Produetionsact anyesehen
 und darf der Production nicht gegenübergestellt werden,
er ist der gewerbsmässige Kauf und Wiederverkauf behufs Gewinnerzielung.“
 (IL, 638)
Dass unproduetiver Handel vorkommt, wird nicht geleugnet,
wo Seltenheitspreise erzielt werden sollen, wo künstlich auf Preiserhöhung
 oder Erniedrigung hingearbeitet wird, da kann von
einer Produectivität des Handels nicht die Rede sein. ;
Deshalb den yanzen Stand für unproduectiv zu halten ist
ungerecht, denn es giebt unproductive "Thätigkeit auch in der
Industrie und in der Landwirtschaft.

Rathgen.

Handel ist diejenige wirtschaftliche Thätigykeit, welche den
Verkehr zwischen Producenten und Konsumenten vermittelt, er

“) Art. „Handel“ im Wörterbuch der Volkswirtschaft, Bd. I.