54 Erstes Buch, Cap. 1. nicht republikanisch, nur ein Gegner der Despotie. In der Schrift „A View of the Principles and Conduct of the Protestant Dissenters with respect to the Civil and Ecclesiastical Consti- tution of England“ 2. Aufl. 1769 kehrt die gleiche Behaup- tung wieder, man dürfe nicht in falscher Verallgemeinerung von Cromwells Handlungsweise die Dissenters für gleichheits- Justig und republikanisch halten. Sie beugten sich sogar auch solchen Gesetzen, die sie für schlecht hielten, weil im Allge- meinen ein „Zustand geordneter Gesellschaft besser ist als Anarchie“, ja die Dissenters seien der jetzigen Dynastie sogar besonders zugethan und principiell Anhänger der beschränk- ten Monarchie, sie seien nur gegen Ausdehnung der königl. Prärogative und gegen willkürliche Regierung und seien durchgängig liberal, schon weil sie sich nicht aus den Reichen und Hochgeborenen rekrutiren, Aber sie seien sogar „froh, ihre religiöse Freiheit mit dem Ausschluss von Staatsämtern zu erkaufen“ (S. 361). Als Schriftsteller und Philosophen mach- ten sie keinen Unterschied zwischen irgend welchem religiösen Bekenntniss. Doch wenn wider ihren Willen die Debatte auf Religion käme, so würde wohl zu Tage treten, dass sie mit freiem wissenschaftlichen Sinn eifriges Christenthum verbänden. Priestley schreibt hier eine Apologie der Dissenters; er beschönigt, insofern er nicht zugesteht, dass das Dissenter- thum ein Heerd weitgehender revolutionärer Agitation war und werden konnte — aber er ist gewiss aufrichtig für seine Person; es ist wahr, dass die damaligen Dissenters eine Ab- sicht zu thatsächlicher Revolution nicht hatten, dass es also ungefährlich, ja klug gewesen. wäre, sie politisch gleichzu- stellen. Die Dissenters als eine freigeistige , politisch freisinnige, und wahrhaft christliche, aber nicht revolutionäre Partei waren damals möglich als eine geduldete Minorität. Priestley bringt in dieser Schrift viel über die Geschichte der Dissen- ters und über ihren damaligen Zustand — Alles freilich etwas aphoristisch. Er ermahnt zur Einheit der Dissenters und eifert gegen religiöse Gleichgültigkeit; die Verschiedenheit des Dogmas der einzelnen Secten hält er für unbedenklich, ja nützlich. Einig seien sie darin, dass sie jede menschliche