66 Erstes Buch, Cap. 1. (incl. Parlament) von der Majorität derjenigen ausgehe, deren Verhältnisse sie über die Gefahr der Corruption erhaben machen‘“. Die allgemeinen theoretischen Grundlagen sind dieselben wie in dem Essay on the first Prineiples. In dieser Schrift sind einfach die älteren Rousseau’schen Staatsvertragsideen und die jüngeren utilitarischen Nütz- lichkeitstheorien verschmolzen — beide aber zu weniger ex- tremen Consequenzen ausgebildet. Der Mensch unterscheidet sich von den Thieren durch seine unbeschränkte Fähigkeit zur Ausdehnung des Wissens, zu Vervollkommnung und Fortschritt. Vervollkommnung und Fortschritt (improvement) sind aber, echt praktisch materia- listisch, identisch mit „grösserer Macht glücklich zu werden“. Die Aussicht, dass das Ende der menschlichen Entwicklung paradiesisch sein wird, beruht auf den Wirkungen der Arbeits- theilung. Das grosse Mittel, wodurch Gott seinen Zweck, die Menschheit zu einer grösseren Vervollkommnung, d. h. Glück, zu führen, erreichen will, ist Gesellschaft, d. h. Regierung. Also ist die Frage, auf die es ankommt, die, welche Form der Regierung am meisten Glück erzeugt. Das ist also derselbe Utilitarjanismus, den wir später bei Bentham finden und der hier mit einem Gottesglauben ebenso ober- fächlich, aber auch ebenso ungezwungen verbunden wird, wie denn der materialistische Philosoph Gott gleichsam als Maschinenmeister resp. Erbauer des Weltmechanismus be- handelt. Also Gott will das Glück der Menschen, diese streben mit Recht nach ihrem Glück — und in diesem natürlichen Streben schliessen sie den Staatsvertrag. „Alle Menschen leben in Gesellschaft zu Ehren ihres gegenseitigen Vortheils, Deshalb ist der Nutzen und das Glück der Mitglieder, d. h, der Majorität der Mitglieder jedes Staats der grosse Maass- stab, nach welchem jede diesen Staat berührende Frage end- gültig entschieden werden muss“ (l. c. S. 13). Einen Beweis für die Richtigkeit dieses Glücksprincips versucht Priestley ebensowenig als für die damit verbundene Lehre von dem Zustand ursprünglicher Freiheit, aus dem man