152 Erstes Buch, Cap. 1. Ba. V. S. 175). „Ich sehe mit kindlieher Ehrfurcht auf die Verfassung meines Landes und werde sie nie in Stücke schlagen — — sondern im Gegentheil ihr ehrwürdiges Alter hegen und pflegen“ (Bd. X. S. 108). Bei solchen Gefühlen ist es natürlich, dass Burke vor Allem für zwei Grundsäulen der alten Ordnung, Adel und Kirche, schwärmt. Man soll dem Talent und Verdienst den Weg zur Regierung offen lassen, aber das Aufsteigen zu her- vorragender Stellung und Macht von niedriger Lage nicht zu leicht machen (Bd. V. 8. 107). Der Adel ist das „korinthische Capitäl der Gesellschaft.“ Der französische Adel selbst hatte keine unverbesserlichen Laster und verdiente keine Strafe — vielmehr beklagt Burke in einer der rhetorisch schönsten, der Sache nach schwächsten Stellen der „Refleetions‘“ das Ver- kommen des alten ritterlichen Geistes in Frankreich und von diesem Standpunkt aus allein bespricht er das rohe Vorgehen der Revolution gegen Frankreichs Königin. Die europäische Civilisation beruhte Jahrhunderte lang auf „zwei Principien, dem Geist des Edelmanns und dem Geist der Religion“ — in ihrem Schatten erblühten auch Handel und Gewerbe, wo sie schwinden tritt Rohheit an ihre Stelle (Bd. V. S. 154). „Wir wissen, und, was besser ist, wir fühlen in unserem Innern, dass Religion die Basis der bürgerlichen Gesellschaft ist.‘ — „Wir wissen zu unserem Stolz, dass der Mensch von Natur ein religiöses Geschöpf (animal) ist“ (Bd. V. S. 174). Darum erbost sich Burke ganz besonders gegen den Atheismus und gegen die Säcularisation in Frankreich und. will Nichts von einer Trennung von Staat und Kirche wissen. Doch ist er in diesem Punkte nicht so bornirt wie z. B. gegenüber der Parlamentsreform, sondern es gehört gerade zu den schönsten Seiten seines reichen Wirkens, dass sein unbeugsames Gefühl für Recht und Billigkeit stets — und gerade noch in seinen alten Tagen — Gerechtigkeit gegen die Katholiken und [rländer verlangte. Das war Burke, der grösste Vorkämpfer gegen das Ein- Aringen des Individualismus von französischer Farbe in Eng- land! Gebeugt durch persönliche Schicksalsschläge, tief be-