Zämfte, 491 Zugleich kamen Gegenpetitionen von Leuten, die bisher das Gewerbe ausserhalb der Zunft betrieben hatten und nicht unter dieselbe gestellt werden wollten. Namentlich erklärten die Sheffielder, dass alle Beschränkungen schädlich seien und verlangten eine „liberale Gewerbepolitik“ 1. Die Mitglieder der Zunft selbst verlangten zwar Beschränkungen und Zunft- ordnung, aber doch Erleichterung derselben. Insbesondere handelte es sich dabei um die Beschränkungen der Lehrlinge 7). Nach den Zunftstatuten vou 21. Jacob.I. .c. 31 durfte kein Messer-, Scheeren- oder Sichelschmied Lehrlinge halten, der nicht selbst Eigenthümer eines Werks war (Meister); und ein Sölcher durfte, abgerechnet seine eigenen Söhne, zu gleicher Zeit nur einen Lehrling haben. Man bat darum, dass mehr Lehrlinge gestattet werden sollten, und zugleich um besseren Schutz gegen den Gebrauch falscher Marken. Die alten Be- Schränkungen der Lehrlinge seien bei der heutigen Ausdehnung des Gewerbes schädlich®. Es kam darauf das Gesetz 31. Georg III. c. 58 zu Stande, welches sich den Petitionen der Messersechmiede anschloss und durch 41. Georg IIL c. 97 amendirt und verschärft wurde. — Ausser den im Vorstehenden erzählten Fällen konnte ich keine anderen entdecken, in denen im 18. Jahrhundert Zünfte die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Sie existirten in wichtigen alten Industriezweigen, wie in der Tuchindustrie, Sowie in den ganz neuen wie der Baumwollindustrie überhaupt nicht. Sie waren niemals in England eine allgemeine Institu- tion, sondern entstanden immer nur für einzelne Gewerbe und Bezirke durch besondere Creirung seitens der Staatsgewalt. Wo sie in’s Leben gerufen wurden, waren sie sozusagen Spe- cielle Organe der allgemeinen Gewerbeordnung. Offenbar aber waren diese Organe im 18. Jahrhundert noch hinfälliger 1) Journals Vol. 46. 22. März 1791. . % Journals Vol. 46. 1. Dzbr. 1790. _°) Brentano a. a, 0. 8: 114 meint, die Arbeiter hätten sich gegen die Aufhebung der Beschränkung der Lehrlinge gewehrt. Allein aus dem Obigen geht hervor, dass diese vielmehr selbst trachteten, Lehrlinge halten zu dürfen,