Geschäftsstockungen. 659 nehmungen führen, dass diese durch allgemeine staatliche Regulirung von Production und Absatz ersetzt werden müssten. Die Absatzschwankungen sind in der That ein grosses Uebel, aber eben dies Uebel erzeugt selbst sein Gegenmittel — die Corporation des Arbeiterstandes. Und dieses Gegenmittel kann und wird noch weiteren Segen bringen. Die Gewerkvereine agitiren bekanntlich auch für geregel- tes Lehrlingswesen und gegen willkürliche Steigerung der Zahl der ungelernten Arbeiter. So sehr diese Agitation manchmal verfehlt sein mag, es steckt doch die richtige Tendenz darin, die Ueberproduction zu erschweren. So können Gewerkver- eine nicht nur die ausgebrochenen Krisen dem Arbeiter tragen helfen — sie können auch ihrem Ausbruch vorbeugen. Schnell ist die Grossindustrie emporgewachsen, schneller als die soci- alen Institutionen zur Heilung ihrer Schäden sich entwickeln konnten und können, weil zu ihrer Consolidirung die erzogene sitiliche Kraft der Massen nöthig ist. Aber ein ruhiger Blick in die Zukunft, ausgehend von der Betrachtung dessen, was schon begonnen hat, kann nicht zu verzweifelten Vorschlägen führen. Es ist hinreichend bekannt, wie die Krisen auch die poli- tischen Leidenschaften der Arbeiter stets gewaltig steigerten. Sie waren besonders heftig und interessant im fünften Jahr- zehnt unseres Jahrhunderts, Was unsere jetzige Periode be- trifft, so hat dieselbe ausser vielen Krisen in einzelnen Indu- striezweigen , namentlich der Baumwollindustrie, die zwei grossen allgemeinen Krisen von 1815—16 und 1825—26 auf- zuweisen.!) Diese Krisen versetzten jedesmal Massen. von Ar- beitern in Noth und grosse Aufregung. Bei ihrer Betrachtung im Vergleich mit den Krisen älterer Zeit zeigt sich ein in socialer Hinsicht bedeutsamer Unterschied. Das junge Gross- capital am Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts hatte seine Orgien gefeiert und wurde an Intensität des Schwin- dels in späterer Zeit nicht übertroffen. Jetzt aber drückte die Störung in der Bewegung des Capitals, das viel directer - 3) S. Max Wirth, Handelskrisen.