—13 gung aus. In den meisten Fällen bedarf es einer Anstrengung, um aus dem passiven Zustande des Bedürfnißfühlens in den gctiven der Befriedigung überzugehen, indem eine Mühewaltung nöthig ist, um das Mittel der Befriedigung, den Gegenstand des Genusses oder des Gebrauches herbeizuschaffen oder herzustellen. Beim Athmen fällt Bedürfniß und Befriedigung fast zusammen: es liegt zwischen beiden keine Anstrengung als Mittelglied, die Luft strömt uns überall von selber zu. Im Allgemeinen aber ist das unmittelbare Material, das nicht verarbeitet zu werden braucht, nur gering: selbst die Luft hat man sich oft zu erwerben, indem man sie zu erwärmen hat. Das Bedürfniß des Essens, Wohnens und Sichkleidens verlangt vor der Befriedigung mannigfaltige Anstrengungen und Mühen, um die Speisen, das Haus, die Kleidung herzustellen. Diese Anstren- gungen können größer oder geringer sein. Zum Wassertrinken ist in der Regel nur das Herbeiholen des Mittels der Befriedigung nöthig. Wie viele Anstrengungen dagegen haben sich erst einander folgen und sich vereinigen müssen, um die Mittagstafel selbst in einer einfachen Haushaltung herzustellen! Denn der Mensch unterscheidet sich vom Thiere gerade auch dadurch, daß er die sinnliche Befriedi⸗ gung umständlich macht, daß er wie die alten Komiker scherzten, ein Thier ist, welches kocht, einen Tisch deckt, die Speisen und Ge— tränke in zierlichen Gefäßen aufstellt, schöngeformte Löffel, Messer und Gabeln gebraucht u. s. w. Der Zweck der Nothdurft, sich zu erhalten, wird durch diesen Apparat der Mittel als das Feigenblatt der Cultur veredelt. Das Mittel steht hier also höher als der Zweck, der dadurch erreicht wird, wie eine Maschine in ihrer sinn reichen Einrichtung mehr sein kann, als das Produkt, welches sie liefert, ein Webstuhl z. B. mehr, als die Nachtmütze, die er webt. Die Mittel, die uns demnach zur Befriedigung unserer Be— dürfnisse zu Gebote stehen, sind zwei: die Natur und die Arbeit, das Geschenk Gottes und die Anstrengung.) Wenn das Athmen N Durch das ganze Buch von Bastiat geht dieser Gegensatz von Natur und Arbeit und kehrt unter anderen Formen immer wieder. So stehen bei ihm zwei Reihen von Begriffen sich einander gegenüber, von denen die eine⸗ aus dem Wesen der Natur, die andere aus dem der Arbeit resultirt. Durch