— 126 — über die Noth der arbeitenden Klassen überhaupt begründet ist, so ist im Allgemeinen das Vorhandensein mannigfacher Noth und Uebelstände in den untern Schichten der menschlichen Gesellschaft als unbestrittene Thatsache anzuerkennen, aber ganz entschieden müssen wir eine Zunahme dieser Noth gegen frühere Zeiten in Abrede stellen. Der sociale Zustand hat im Gegentheil die erfreu⸗— lichsten Fortschritte gemacht, selbst der ärmste Mann im Volke klei— det und nährt sich besser, befriedigt mehr materielle und geistige Bedürfnisse als früher, kann sich eine gute Schulbildung und selbst ästhetische und künstlerische Genüsse weit leichter verschaffen und kann endlich, sobald es ihm nur wirklich am Herzen liegt, überall Gelegenheit zu höherer sittlicher und religiöser Erhebung finden. Jeder, dessen Erinnerung nur 20 oder 30 Jahre zurückreicht, ber⸗ gleiche nur einmal die heutige Einrichtung der Arbeiterwohnungen mit den erbärmlichen Hütten von ehedem, oder er mustere an einem der belebtesten Punkte des Verkehrs die Kleidung der vor ihm vor— beiziehenden Schaaren aus Leuten jeden Standes. Wo sind die Hunderte und Tausende zerlumpter und eutblößter Gestalten, welche ehemals die öffentlichen Plätze und Landstraßen füllten? Es gibt allerdings noch genug sogenannte Proletarier oder Leute, die ohne Capitalbesitz, ohne eine größere Summe ersparter Güter am Abend einschlafen und am Morgen aufwachen; allein dieselben Leute wür— den, wenn sie sich eben so schlecht kleiden und nähren oder ebenso dürftig wohnen wollten, wie ihre Väter und Großväter, schon längst LCapitalbesitz haben; sie unterlassen es jedoch meist, einen Theil ihres Verdienstes in Capital zu verwandeln, weil das nächste Bedürfniß des Menschen nicht Capitalbesitz, sondern ein erträgliches Dasein ist und weil auch der Aermste an dem mit dem Fortschritt der Civi-— lisation und der wirthschaftlichen Entwickelung erhöhten Wohlbe⸗ finden und an den gesteigerten Lebensansprüchen Theil nehmen will. Indessen auch unter diesen arbeitenden Klassen treten alljährlich immer mehr aus dem Stande des bloßen Proletariats in den Stand der Besitzenden über, schon Hunderttausende sind über den Kampf mit der bloßen Existenz hinaus, die Millionen in den Spar— kassen und die zahlreichen Acker Landes, auf denen Häuser und