127 Gärten von Arbeitern angelegt sind, legen Zeugnlß von einer ge— deihlicheren socialen Entwicklung ab. Wenn nun trotzdem von der Noth der Armen mehr als früher zu hören ist, so liegt der Grund dafür vor allem in der größeren Aufmerksamkeit, welche man jetzt überhaupt den gesellschaftlichen Zuständen der Menschheit zuwendet. Die Geschichte früherer Tage handelt mehr von Fürsten, Edlen und Freien, oder von der geistigen Bewegung in höheren Kreisen und in hervorragenden Köpfen, von dem eigentlichen Volt, von den Zuständen der dienenden Klasse ist wenig oder nichts zu lesen, nur gelegentlich erinnern einzelne charakteristische Ereignisse an den un— sichern Boden, auf welchem der damalige sociale Bau stand, aber man war wenig geneigt, an einem Emporheben der dienenden Klas⸗ sen zu arbeiten, oder darin eine der wichtigsten Lebensaufgaben zu erblicken. So starben bei dem Mangel an Verkehrswegen und an Erleichterungen des Güteraustausches in Folge einer Hungers⸗ noth oft Tausende dahin, ohne daß ein Geschichtschreiber dabon Notiz nahm, während jetzt der Telegraph die Kunde einer irgendwo eingetretenen Noth sofort in alle Gegenden trägt und fie jedem Menschen vernehmlich predigt. Nachdem die einzelnen Menschen und Völker in nähere Verbindung mit einander getreten sind, nachdem man eine Wissenschaft von dem wirthschaftlichen und soeialen Zu. sammenleben der Menschen und von deun Gesetzen, welchen dasselbe gehorcht, kennen gelernt hat, nachdem ferner vor allen Dingen mit der Civilisation auch die Humanität in den Gesinnungen und Be— strebungen der Menschen weitere Fortschritte gemacht hat, ist auch eine andere Art, Geschichte, Romane und Reisen zu schreiben, auf⸗ gekommen. Bloße Hoffeste, Truppenrevuen, Paläste, Gallerien, ga⸗ lante Abenteuer unterhalten uns nicht mehr, es sind die Sitten, Einrichtungen, Beschäftigungen, Lebengarten des Volkes, es sind die Wettkämpfe und Errungenschaften des Handels, de Industrie und Agricultur, es ist mit einem Worte das Gesammtleben und die Gesammtarbeit des Volks in geistiger, wirthschaftlicher und fittlicher Hinsicht, welche den Vordergrund der Betrachtungen einnimmt; die beliebtesten Romanschriftsteller unserer Zeit entnehmen ihre Charak. tere mehr den untern als den obern Schichten und schildern mit