137 an dem Charakter ihres Aufwandes und ihrer Consumtion erkannt wird, als an dem ihrer gewöhnlichen und herrschenden Production. Man muß vor allen Dingen bemerken, daß wenn die jährliche Con— sumtion eines Landes seinem jährlichen Einkommen gleich ist, es nie— mals Ersparniß in demselben geben würde, folglich auch keinen Zuwachs an Capital und keine Vermehrung der Bevölkerung ohne entsprechende Verminderung in den Genüssen und Bedürfnissen eines Jeden. Es ist ein großer Unterschied zwischen productiver und un⸗ productiver Consumtion. Zwei Personen verfügen jede über 10000 Thlr. Die erste baut auf ihrem Grund und Boden Luxusgebäude, Treib⸗ häuser, Parks, Lusthäuser. Die andere macht den Boden urbar, zäunt ihn ein, macht Anlagen und unterläßt nichts, um die Produec⸗ tivkraft des Gutes zu vermehren. Beide haben mit gleichen Summen angefangen. Der eine hat sein Geld ausgegeben, der andere das— selbe productiv verwendet nud sein persönliches Einkommen so wie das der Gesellschaft vermehrt. Jedes Individuum, welches spart und andern die Verwendung seiner Ersparniß überläßt, thut dasselbe. Die Vorstellung, daß es darauf ankomme, Geld unter die Leute zu bringen, überhaupt zu verbrauchen, gleichviel was und wofür, be⸗ kundet eine völlige Unwissenheit der ersten Grundlage des wirth⸗ schaftlichen Lebens. Jeder einzelne weiß für seine Person, daß sein Reichwerden oder Verarmen von dem abhängt, wofür er sein Geld ausgiebt. Und wenn jeder einzelne durch unwirthschaftlichen Ver— brauch verarmen kann, so können es alle, so kann es die Gesammt. heit. Geld nämlich, welches nicht zu Förderung einer Produection verbraucht wird, kann man nur einmal ausgeben. Geld dagegen, welches zur Production verbraucht wird, kann man unendlich oft ausgeben; denn nach jedem productiven Verbrauche ist es mit Zu⸗ wachs wieder da. Giebt einer in einem Jahre tausend Thaler für eine Equipage zum Spaziereufahren aus, so bleibt am Ende des Jahres nichts davon, als die Erinnerung an gehabtes Vergnügen; giebt er die tausend Thaler zur Veschäftigung productiver Arbeiter aus, so sind in deren Arbeitsprodueten die tausend Thaler mit Profit wieder da, und können jedes Jahr wieder zum Unterhalt von Ar⸗ beitern dienen, denn sie sind capitalisirt.