152 — land nicht die der Zahl nach so geringen höheren Stände, sondern die Bauern die besten Abnehmer der Städte. Anders ist es in England. Die englische Industrie hat keine entsprechende Landbe⸗ völkerung hinter sich, sie ist daher mit ihrem Absatz größtentheils auf das Ausland angewiesen. Alle die verschiedenen Stufen von kleinen ländlichen Eigenthümern, welche den deutschen Bauernstand ausmachen, kennt die englische Agrarverfassung nicht. Die an und für sich sehr dünne Landbebölkerung in England besteht großen Theils aus bloßen Tagelöhnern, ohne alle eigenen Grundbesitz, und ist durchschnittlich sehr arm; sie kann daher nicht einmal im Ver— hältniß zu ihrer geringen Zahl zur Consumtion von Fabrikwaaren beitragen. Bei diesem durch die Agrarverhältnisse herbeigeführten un⸗ natürlichen Zustand muß England im Auslande zu gewinnen suchen, was es im Inlande nicht hat — Abnehmer für die massenhaften Erzeugnisse seiner Industrie. Fremde Länder müssen ihm die ackerbau—⸗ treibende Bevölkerung ersetzen. Englands Politik ist daher vorzugs weise darauf gerichtet, andere Völker im Zustande von ackerbau— treibenden Nationen zu erhalten; englische Politiker und Nationalöko— nomen predigen uns vor, daß wir von Natur zum ausschließlichen Betriebe der Landwirthschaft bestimmt wären und wie glücklich wir wären, wenn wir nur englische Industrieproducte bezögen, wie schön es wäre, wenn wir nur Korn bauten und Kartoffeln behackten, es nennt sich ‚die Werkstätte der Welt.“ Die nothgedrungene Hinwei—-sung auf auswärtigen Absatz begründet eine Abhängigkeit vom Ausland, welche mit Gefahren verbunden ist. Ein zu hoch gestei— gertes Industrieland meint über consumirende Länder zu herrschen und spricht von industriellen Eroberungen, während es vom Aus— lande immer abhängiger wird. Wir sind weit entfernt, alle jene schwarzen Schilderungen der englischen Arbeiterzustände, welche oft socialistischen Federn ihren Ur— sprung verdanken, für wahr anzunehmen, aber wir können auch nicht alle Bedenken mit den Zahlen niederschlagen, welche die englischen Sta⸗ tistiker anführen, um uns das Wohlbefinden der Fabrikarbeiter haarklein zu beweisen. Nicht allein die Höhe der Löhne, sondern