— 356 — Ja, aber hier haben wir es nicht mit dem Christenthum, sondern mit der Volkswirthschaft zu thun. -Sehr traurig. Doch weiter. Ich habe dich zum unum— schränkten König gemacht, nicht damit du blos Folgerungen ziehen, sondern damit du auch handeln sollst. Deine Macht ist durch nichts begrenzt. Sage mir, was du jetzt thun wirst, kraft der Lehre: „der Reichthum besteht im Gelde“. — Ich werde unaufhörlich die Masse des Geldes im Schoße meines Volkes zu vermehren suchen. — Aber nach unserer Voraussetzung giebt es in deinem Reiche keine Bergwerke. Was wirst du nun thun was wirst du befehlen? — Ich werde nichts befehlen, sondern blos verbieten. Bei Todesstrafe werde ich verbieten, auch nur einen Thaler außer Landes zu schicken. — Und wenn nun dein Volk zwar Geld, aber auch Hun—⸗ ger hat? — Einerlei. Nach unserem Systeme wäre die Erlaubniß zur Ausfuhr des Geldes gleichbedeutend mit der, sich selbst arm zu machen. — Also würdest du das Volk zwingen, nach einem Grundsatze zu handeln, welcher gerade demjenigen entgegengesetzt wäre, den du für dich selbst in ähnlichen Umständen befolgst. Warum das? — Ohne Zweifel, weil mein eigener Hunger mich selbst quält — der Hunger der Völker aber die Gesetzgeber nicht quält. — Nun, ich kann dir sagen, daß dein Plan zu Schanden werden würde, denn es giebt kein Mittel, wenn ein Volk Hunger hat, die Geldausfuhr zu hindern, sofern nur die Korneinfuhr er⸗ laubt ist. — In dem Falle ist der Plan, mag er nun auf falschen oder richtigen Grundsätzen beruhen, unwirksam, und wir hbaben uns nicht weiter damit zu befassen. — Du vergissest, daß du Gesetzgeber bist. Wird ein Gesetzgeber sogleich ohne Weiteres zurückschrecken, wenn er nur an Au. deren seine Versuche macht? Wenn dein erster Befehl nichts hilft, wirst du da nicht deinen Zweck durch ein anderes Mittel zu er⸗