für den Menschen zu gewinnen, konnte dieser von der fortwähren ⸗
den Bearbeitung des Grund und Bodens sich losmachen, um zu
spinnen und zu weben, Bergbau zu treiben u. s w. Das Spinn-
rad und die Spindel, der Webestuhl, der Hammer und der Amboß,
der Blasebalg, der Hobel befreiten ihn immer mehr, so daß wie—
der ein Theil seiner Arbeitskraft disponibel wurde, der dann wie—
der auf neue Hindernisse sich warf, um sie zu überwinden. Dann
wirft sich uns die Frage auf, ob nicht bei immer größerer Be—
nutzung der Naturkräfte ein Ueberschuß von Gütern entsteht, für die
der Verbrauch fehlt. Dieses Bedenken findet seine Erledigung,
wenn wir die Dehnbarkeit der menschlichen Begierden und Bedürf-
nisse in Betracht ziehen. Diese sind nicht eine feste, unveränderliche
Größe. Sie sind nicht stationär, sondern progressiv. Das gilt
selbst von den materiellsten Bedürfnissen, und ist in dem Grade
merklicher, als man zu den intellectuellen Neigungen und Trieben
aufsteigt, welche den Menschen vom Thiere unterscheiden. Diesel-
ben Nahrungsmittel, die zu einer Zeit gesucht wurden, sind zu
einer andern gewöhnlich geworden; die Lebensweise, die einem
Lazzaroni genügt, würde für den Holländer eine Marter sein.
Selbst dies Bedürfniß also, das unmittelbarste, das gröbste, und
folglich das gleichmäßigste von allen, wechselt je nach Alter, Ge—
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es sich mit andern Bedürfnissen. Kaum ist der Mensch gegen
Wind und Wetter geschützt, so will er eine Wohnung haben; kaum
ist er gekleidet, so will er sich schon schmücken. Kaum hat er die
Forderung des Körpers befriedigt, so eröffnen Studium, Wissenschaft,
Kunst seinen Neigungen ein Feld ohne Grenzen. Die Bedürfnisse
des 14ten Jahrhunderts waren in keiner Beziehung die des unsri⸗
gen, mag man nun Nahrung, Wohnung, Ortsveränderung oder
Unterricht ins Auge fassen. Wir können voraussagen, daß unsere
Bedürfnisse denjenigen nicht gleich kommen, welchen unsere Nach ⸗
kommen unterworfen sein werden.
Viele volkswirthschaftliche Irrthümer gehen daraus herbor, daß
man die menschlichen Bedürfnisse als eine gegebene Menge auffaßt.
Man nimmt die Summe aller Befriedigungsmittel der Zeit, in