müssen zur Beantwortung dieser Frage auf volkswirthschaftliche
Grundgedanken zurückgehen.

Während Empfindung eines Mangels und Befriedigung dessel-
ben immer in dasselbe Individuum fallen (man kann sich nicht das
Bedürfniß in dem einen Menschen, und die Befriedigung desselben
in dem andern vorstellen), ist es möglich und auch häufig, daß das
Mittelglied zwischen Empfindung und Befriedigung, nämlich die
Anstrengung, deren es bedarf, um den Gegeunstand des Genusses
zu schaffen, nicht zugleich in das empfindende und sich befriedigende
Individnum fällt. Mit anderen Worten: Häufig wird das Be—
dürfniß des Einen durch die Anstrengung des Andern befriedigt.
Ja, je mehr die Cultur unter den Menschen fortgeschritten ist, desto
gewöhnlicher ist der Fall, daß wir die Befriedigungen unserer Be—
dürfnisse nicht unseren eigenen Anstrengungen verdanken, und daß
die Arbeit, die wir verrichten, jeder in seinem Fache, die Befriedi-
gung der Wünsche Anderer zum Zwecke hat. Darauf beruht es,
daß man nicht in den Bedürfnissen oder Befriedigungen, diesen
wesentlich persönlichen und unübertragbaren Erscheinungen, sondern
in der Natur des Mittelgliedes d. h. der menschlichen Anstrengung,
den Ausgangspunkt und die Grundlage der Volkswirthschaft suchen
muß. Die den Menschen, und zwar den Menschen unter allen Ge—
schöpfen allein gegebene Fähigkeit, für einander zu arbeiten, die
Uebertragung von Anstrengungen, der Austausch von Diensten,
mit allen jenen unendlichen und verwickelten Combinationen, die
derselbe veranlaßt, das ist es, was das Wesen der ökonomischen
Wissenschaft ausmacht, ihren Ursprung zeigt und ihre Grenzen
bestimmt.

Zum Gebiete der Volkswirthschaft gehört also jede Anstrengung
die, unter der Bedingung der Gegenleistung, die Bedürfnisse Anderer
befriedigen will, und gehören alle auf diese Art von Anstrengungen
bezüglichen Bedürfnisse und Befriedigungen. Demnach liegt z. B.
die Thätigkeit des Athmens, obgleich sie die drei Glieder enthält,
die das wirthschaftliche Phänomen ausmachen, außerhalb dieser
Wissenschaft, und der Grund ist klar: es handelt sich hier um eine
Reihe von Vorgängen, in welchen nicht nur die beiden äußeren