Glieder, Bedürfniß und Befriedigung, unübertragbar sind (sie sind
es immer), sondern auch das Mittelglied, die Anstrengung, der
Uebertragung nicht fähig ist. Wir rufen Niemandes Beistand an,
um zu athmen; es ist hier keine Dienstleistung zu empfangen oder
zu gewähren; es ist hier ein seiner Natur nach individueller, kein
gesellschaftlicher Vorgang. Aber sobald in gewissen Fällen die Men—
schen eines Beistandes bedürfen, um zu athmen, wie wenn ein
Arbeiter in eine Taucherglocke steigt, oder wenn ein Arzt die Lun⸗
gen behandelt, oder die Polizei Maßregeln nimmt, um die Luft zu
reinigen, so ist ein Bedürfniß vorhanden, das durch die Anstrengung
eines Andern befriedigt wird, es tritt eine Dienstleistung ein, und
das Athmen fällt, was den Beistand und den Lohn betrifft, in den
Bereich der Volkswirthschaft. Es ist nicht nöthig, daß die Anstren⸗
gung von vorn herein den Dienst für einen andern zum Zweck habe;
um sie zu einer volkswirthschaftlichen zu macheu, genũgt es, daß
die Befriedigung des Andern durch sie möglich wird. Der Land⸗
mann, der Getreide für seinen Gebrauch baut, vollzieht nichts desto
weniger eine volkswirthschaftliche Handlung, da das Getreide aus—
getauscht werden kann.

Sich einer Anstrengung unterziehen, um das Bedürfniß eines
Andern zu befriedigen, heißt ihm einen Dienst erweisen. Wenn
eine Dienstleistung als Entgelt für eine andere festgesetzt wird, so
findet ein Tausch von Dienstleistungen statt, und da dies der ge·
wöhnlichste Fall ist, so kann die Volkswirthschaft definirt werden
als die Lehre vom Tausche. Auf dem Tausch beruht die Volks—
wirthschaft, beruht die ganze Gesellschaft; es ist ebensowenig möglich,
sich die Gesellschaft ohne Tausch, als den Tausch ohne Gesellschaft
zu denken. Wir haben gesehen, daß Bedürfniß und Befriedigung
unübertragbar sind: sie sind Empfindungen, und Empfindungen sind
das Persoönlichste in der Welt. Die Anstrengung aber wird aus—⸗
getauscht, und das kann nicht anders sein, da Tausch Thätigkeit in
sich schließt, und die Anstrengung allein unser aectives Princip offen-
bart. Wir können für einen Andern, d. h. an der Stelle eines
Andern nicht leiden oder genießen, wenn wir auch für die Schmer.
zen und Freuden Anderer Mitgefühl haben. Aber wir können