einander helfen, für einander arbeiten, uus gegenseitig Dienste er—
weisen, unsere Fähigkeiten und was aus ihnen entspringt, vorbe⸗
haltlich der Vergeltung, einem Andern zu Gebote stellen. Das ist
die Gesellschaft. Die Ursachen, die Wirkungen, die Gesetze dieser
Tausche machen die politische und gesellschaftliche Dekonomie aus.

Nicht allein können wir das, sondern wir thun es auch noth ⸗
wendig. Unsere Organisation ist derartig, daß wir bei Todesstrafe
gezwungen sind, für einander zu arbeiten. Man muß über das
Verhältniß der Bedürfnisse und der Fähigkeiten des Menschen
folgender Bemerkung beistimmen:

In der Abgeschlossenheit übersteigen unsere Bedürfnisse
uusere Kräfte. Im gesellschaftlichen Zustande übersteigen
unsere Kräfte unsere Bedürfnisse.

Der vereinzelte Mensch kann nicht leben, während beim socia
len Menschen die dringendsten Bedürfnisse Neigungen höherer Art
Platz machen, und sofort in einer Laufbahn der Vervollkommnung,
welcher Niemand die Grenzen anweisen kann.

Von allen Arten lebenden Geschöpfen, die uns umgeben, ist
keine ohne Zweifel so vielen Bedürfnissen unterworsen, als der
Mensch. Bei keiner ist die Kindheit so schwach, so dauernd, so ent—
blößt, das reifere Alter mit solcher Verautwortlichkeit belastet, und
das hohe Alter so gebrechlich und leidend. Und, als ob er nicht
genug hätte an seinen Bedürfnissen, hat der Mensch noch Gelüste
und Neigungen, deren Befriedigung seine Fähigkeiten eben so sehr
in Anspruch nimmt, als die seiner Bedürfnisse selbst. Kaum weiß
er seinen Hunger zu beschwichtigen, so will er seinen Gaumen
kitzeln; kaum versteht er sich zu bedecken, so will er sich schmücken;
kaum hat er eine Wohnstätte, so will er sie verschönern. Sein
Geist ist nicht weniger unruhig, als sein bedürftiger Körper. Er
will die Geheimnisse der Natur ergründen, die Thiere bändigen,
die Elemente fesseln, in die Eingeweide der Erde dringen, uner⸗
meßliche Meere durchziehn, über den Wolken schweben, Zeit und
Raum aufheben; er will die Hebel, die Triebfedern, die Gesetze
seines Willens erkennen, über seine Leidenschaften herrschen, die
Unsterblichkeit erobern, sich mit seinem Schöpfer vereinigen, Alles