Charakteren, wie zwischen einem Philosophen und dem gemeinen
Lastträger, scheint nicht sowohl von Natur vorhanden zu sein, als
durch Gewohnheit, Uebung und Erziehung zu entstehen. Als sie
auf die Welt kamen, und in den ersten sechs bis acht Jahren ihres
Daseins waren sie einander sehr ähnlich, und weder ihre Eltern
noch ihre Gespielen konnten eine merkliche Verschiedenheit gewahr
werden. Etwa in diesem Alter oder bald darauf fing man an,
sie zu sehr verschiedenen Beschäftigungen anzuhalten. Die Verschie—
denheit ihrer Talente beginnt dann in die Augen zu fallen und
erweitert fich nach und nach, bis zuletzt die Eitelkeit des Philoso—
phen kaum noch irgend eine Aehnlichkeit anzuerkennen bereit ist.
Aber ohne die Lust am Tauschen, Handeln und Auswechseln würde
sich Jeder für sich den Bedarf und die Genußmittel des Lebens
haben verschaffen müssen. Alle hätten dieselben Pflichten zu erfül
len und dasselbe zu thun gehabt, und es hätte somit keine solche
Verschiedenheit der Beschäftigung eintreten können, die allein zu
einer großen Verschiedenheuheit der Talente führen konnte.

Wie nun dieser Hang jene unter den Menschen verschiedenen
Berufs so merkliche Verschiedenheit der Talente bildet, so macht
eben dieser Hang jene Verschiedenheit nutzzbringend. Viele Thier—
geschlechter, die anerkannter Weise zu derselben Gattung gehören,
haben von Natur eine viel merklichere Unterschiedenheit der Anla—
gen, als diejenige ist, welche sich vor der Gewöhnung und Erzie—
hung unter den Menschen zeigt. Von Natur ist ein Philosoph
nicht halb so sehr an Anlagen und Neigungen von einem Lastträ⸗
ger verschieden, als ein Windhund von einem Schäferhunde. Den⸗
noch sind diese verschiedenen Thiergeschlechter, obgleich alle zu ein
und derselben Gattung gehörig, einander kaum in irgend einer
Weise nützlich. Die Stärke des Bullenbeißers wird nicht im Ge⸗
ringsten durch die Schnelligkeit des Windhundes, die Spürkraft des
Jagdhunds oder die Gelehrigkeit des Schäferhundes unterstützt.
Die Wirkungen dieser verschiedenen Anlagen und Talente können
aus Mangel an Kraft und Hang zum Tauschen und Wechseln
nicht in ein Gesammtvermögen gebracht werden und tragen nicht
das Geringste zur besseren Einrichtung und besserem Genusse der