195 —
Diese Gründe waren zum Theil richtig, zum Theil trügerisch.
Richtig, so weit gesagt wurde, daß die Ausfuhr von Gold und
Silber oft für ein Land vortheilhaft sein könne. Ferner richtig in
der Behanptung, daß kein Verbot die Ausfuhr verhindern könne,
sobald Privatleute ihren Vortheil bei derselben erblickten. Trügerisch
aber war die Aufstellung, daß die Regierung eine größere Auf—-
merksamkeit darauf zu verwenden habe, um den Vorrath dieser
Metalle zu erhalten oder zu vermehren, als hinsichtlich der Erhal .
iung und Vermehrung irgend eines andern Vorrathes nützlicher
Waaren, den, ohne solche Aufmerksamkeit, der freie Handel nie—
mals in der erforderlichen Menge zu schaffen verfehlt. Ein Trug
schluß lag viclleicht auch darin, daß ein ungünstiger Wechsel · Cours
nothwendig das, was sie eine nachtheilige Handelsbilanz nannten,
verschlimmere oder die Ausfuhr größerer Summen Goldes und
Silbers nöthig mache. Allerdings wäre der hohe Preis sehr nach
theilig für diejenigen Kaufleute, die an fremden Plätzen Zahlung
zu leisten haben, denn sie müßten ihren Bankiers die Wechsel auf
diese Plätze um so viel theurer bezahlen. Aber obgleich die mit
dem Verbot verbundene Gefahr den Bankiers einige außergewöhn.
iche Unkosten verursachen konnte, so ging deshalb nicht nothwendig
mehr Geld aus dem Lande. Die Mehrausgabe geschah gewöhnlich
m Lande selbst für das Hinausschmuggeln des Geldes und dürfte
selten die Ausfuhr eines Sechsers mehr als den Betrag des
Wechsels selbst veranlaßt haben. Außerdem pflegt der hohe Cours
die Kaufleute anzuregen, daß sie ihre Einfuhren durch die Ausfuhr
auszugleichen suchen, damit sie denselben für die möglichst geringe
Summe zu vergüten haben, und endlich hat er auch in sofern die
Wirkung einer Stener, als er den Preis fremder Waaren ver—⸗
cheuert und dadurch deren Gebrauch vermindert. Er würde mithin
die sogenannte ungünstige Handelsbilanz nicht vermehren, sondern
nindern und folgeweise auch die Ausfuhr von Gold und Silber.
Judessen, gut oder schlecht, die Gründe reichten aus, um
diejenigen zu überzeugen, denen fie vorgestellt wurden. Sie gingen
von Kaufleuten aus und waren an Parlamente, an Geheim-Räthe,
an Edelleute und Gutsbesitzer gerichtet; von denjenigen, die für
13*