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wenn ein Kaufmann bei einem Geschäfte 100 Prozent gewinne,
schreie Niemand, wie denn die Natur des Gewinnes sich gerade
ändern solle beim Darlehn.

Nach dem Gesetz Muhameds ist noch heute in der Türkei alles
Zinsnehmen verboten, indeß wird auch dort durch die Macht des
Verkehrs das an sich unnatürliche Verbot bereits vielfach umgangen.

Zu Rom bestanden in den ältesten Zeiten keine Zinsbeschrän
kungen. Dieselben verdanken ihre Entstehung erst den politischen
Zerwürfnissen zwischen dem Adel und dem allmählig zu immer
größerer Zahl anwachsenden Plebs, welcher letztere die auf ihm
ruhende Zinsenlast und damit zugleich den politischen Einfluß des
Adels zu schwächen und zu vernichten suchte.

Bei den Römern waren die Folgen der ZSinsenüberschreitung
meistens nur civilrechtlich. Die über das gesetzliche Maaß verab—
redeten Zinsen durften nicht eingeklagt werden, das an verbotenen
Zinsen Gezahlte wurde als Capitalzahlung betrachtet und von der
Hauptschuld abgerechnet, resp. vom Gläubiger zurückgefordert. Als
eriminelle Folge des Wuchers trat nur bei Zins von Sius die In⸗
famie ein. Das älteste Kirchenrecht verbot nur den Geistlichen das
Nehmen von Sinsen, doch wußten diese sich bald zu helfen und
unter allerlei Formen selbst ganz enorme Sinsen zu erlangen. Erst
Papst Leo der Große dehnte das Verbot auch auf die Laien aus.
Später wurde dies Verbot mehrfach wiederholt und die Uebertre⸗
tung mit Exkommunikation und anderen Strafen, auch mit der
Befugniß des Schuldners auf Zurückbehaltung des Capitals bedroht.
Die Synode zu Konstantinopel bedrohte das offene Zinsnehmen
mit Strafe, während sie und mehrere päpstliche Erlasse die Renten—
käufe für nicht wucherisch erklärten, offenbar, weil man praktisch die
Sache sich nicht klar gemacht hatte. Aber aller jener Verbote un—
geachtet blühte der Wucher in der Stille. Um das Jahr 1197
betrug der Zinsfuß in Mailand 15, im Jahre 1234 zu Toskana
20 Prozent. Das Kloster Rechenhofen lieh im Jahre 1350 Gelder
zu 113 Prozent aus und andere deutsche Stifte brachten den Zins
auf 40— 60 Prozent. Dasselbe Schwanken, wie in anderen Staaten,
zeigte sich gleichfalls in den berschiedenen Staaten Deutschlands.