Ansicht über die Zinsbeschränkungen als richtig; es bewährt sich
auch hier, daß die Wuchergesetze, in so weit sie nicht gegen den
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Gesetzen gehören, die es gibt, weil sie zu denen gehören, die
am wenigsten aufrecht erhalten werden können und am meisten zur
Uebertretung reizen, und weil sie sich als ein Gebot höherer staat⸗
licher Nothwendigkeit, oder als eine Forderung der Rechtsidee nicht
rechtfertigen lassen; daß, was den civilrechtlichen Gesichtspunkt
anlangt, die für die Ueberschreitung der Zinstaxe angedrohte Nichtig
keit in vielen Fällen des heutigen Geschäftsverkehrs rein illusorisch
wird, daß bei der Festhaltung derselben im Uebrigen eine seltsame
Anomalie des Rechtszustandes und die bedenklichste Unsicherheit für
den öffentlichen Verkehr entsteht, ganz zu geschweigen der eivilpro—
zessualischen Bedenken gegen die Zinstaxe; daß endlich anlangend
den strafrechtlichen Gesichtspunkt, die Feststellung des Thatbe.
standes des Zinswuchers beinahe unmöglich ist, daß sie den un—
ösbarsten Zweifeln Thor und Thür öffnet, und daß zu nur allzu⸗
nahe liegenden Mißgriffen in der Rechtsprechung durch jene Gesetz⸗
gebung die häufigste Gelegenheit geboten wird. Diese Ansicht ist,
wie uns von Schweizerischen Juristen wiederholt versichert worden
ist, auch dort bereits bei allen Einsichtigen in voller Geltung, und es
hat nicht minder anch dort, wie anderwärts, die Erfahrung des
volkswirthschaftlichen Lebens den Nachweis geliefert, daß durch
die Wuchergesetzgebung der Zinsfuß nicht etwa ermäßigt, sondern
bielmehr, wegen der Sicherheitsprämie für die Gefahr der Umge—
hung der Wuchergesetze, für viele einzelne Fälle erhöht wird, daß
diese Gesetzgebung Wucher vielfach erst erzeugt und dem darlehns—
bedürftigen Armen keineswegs unterstützend und schützend zur Seite
gestanden hat.

Man kann hoffen, daß auch in der Schweiz jene Ansichten
bald praktisch zur Geltung kommen, und diese Erfahrungen für eine
Agitation gegen die Sinswuchergesetze benutzt werden, wie dieß
neuerdings in Deutschland vielfach mit Erfolg geschehen ist und noch
in Aussicht steht. Es wird hier wie anderwärts Mühe kosten, von
eingerosteten Vorurtheilen sich frei zu machen, aber hier wie ander—