259
einen eigenen von jeder menschlichen Arbeit unabhängigen Werth
beigelegt, und in demselben Augenblick war das Eigenthum eben
so wenig zu rechtfertigen, als zu verstehen. Durch die Verwechs.
lung der beiden Begriffe kommt die Theorie zu der Annahme, daß
heim Tausche ein Mensch einen angeblichen, von der Natur her.
rührenden Werth gegen wahren, von Menschen geschaffenen Werth,
d. h. Nutzbarkeit, die keine Arbeit gekostet hat, gegen Nutzbarkeit, die
deren erforderte, hingibt; mit andern Worten, daß er, ohne selbst
zu arbeiten, die Arbeit Andrer benutzen kann. Die Theorie nannte
bald das so aufgefaßte Eigenthum nothwendiges Monopol,
dann kurzweg Monopol, hierauf Unrechtmäßigkeit, und end
lich Diebstahl.

Das Grundeigenthum erhielt den ersten Stoß. Ein Monopol,
welches sich auf die nothwendigsten Lebensbedürfnisse bezog, mußte
mehr als jedes andere das menschliche Gefühl empören. Man sah
oft den Grundeigenthümer leben, ohne zu arbeiten, und man zog
daraus den ziemlich plausibeln Schluß: „Er muß ein Mittel gefun⸗
den haben, sich für etwas Anderes, als seine Arbeit, bezahlen zu
lassen.“ Was konnte dieses Andere sein, als die Fruchtbarkeit, die
Productivität des Bodens? Es wurde also die Grundrente, je
nach den verschiedenen Zeiten, mit dem Namen Monopol, Privile⸗
gium, Unrechtmäßigkeit, Diebstahl gebrandmarkt. Der Boden, so
schloß man, hat durch seine Fruchtbarkeit einen Werth, welcher ihm
nicht von Menschen mitgetheilt ist. Da nun der Werth nicht unent ⸗
geltlich abgetreten wird, (ein Name schließt die Vorstellung des
Unentgeltlichen aus), so hat der Eigenthümer Unrecht, wenn er von
mir einen Werth, welcher die Frucht meiner Arbeit ist, für einen
Werth verlangt, der nicht eine Frucht seiner Arbeit, sondern der
Freigebigkeit der Natur ist. Die Nationalökonomen sagten daher:
Das Grundeigenthum ist ein Privilegium,“ aber sie setzten hinzu:
aes ist nothwendig, deßhalb muß man es aufrecht erhalten.“ Andre
schlossen eonsequent weiter. Die Soecialisten riefen: „Das Grund⸗
eigenthum ist ein Privilegium; aber es ist nothwendig; man muß
es aufrecht erhalten — indem man ihm einen Ersatz abfordert,
das Recht der Arbeit.“ Die Communisten und Gleichheitsmacher