Ist dies eine vernünftige Regel? Ihr zufolge könnten wir uns sagen:
da sechstausend Jahre dazu gehört haben, um dem zehnten Theile
der Erde zu einer vernünftigen Cultur zu verhelfen, wie viel hun,
dert Jahrhunderte werden vergehen, bevor ihre Oberfläche in einen
Garten verwandelt ist?

Bei dieser schon sehr beruhigenden Schätzung setzen wir außer-
dem die Ausbreitung der gegenwärtigen Ackerbau-Kunde oder viel—
mehr Unkunde voraus. Aber dies ist keine zulässige Regel und
die Erfahrung lehrt, daß ein undurchdringlicher Schleier über der
dielleicht unendlichen Macht der Kunst ruhet? Der Wilde lebt von
der Jagd und braucht eine Quadratmeile Flächenraum. Wie groß
vürde nicht seine Ueberraschung sein, wenn man ihm sagte, daß
das Nomadenleben zehnmal mehr Menschen auf demselben Raume
erhalteu kann! Der Nomade seinerseits würde ganz verwundert sein,
zu hören, daß die Dreifelder-Wirthschaft leicht noch eine verzehn-
fachte Bevölkerung zuläßt. Sagt dem Bauer, welcher nach alter
Gewohnheit wirthschaftet, daß eine fernere gleiche Progression durch
die Wechselwirthschaft zu erreichen ist, und er wird Euch nicht glau.
ben. Und die Weechselwirthschaft endlich, welche das letzte Wort
für uns ist, ist sie es auch für die Menschheit? — Wir wollen
—DD
derte gehen vor ihr zu Tausenden vorüber, und jedenfalls wollen
wir, ohne von der Nationalökonomie die Lösung der Fragen zu
berlangen, welche nicht in ihr Gebiet gehören, das Schicksal der
künftigen Geschlechter vertrauensvoll in die Hände dessen legen.
welcher sie in das Leben rufen wird.

Wir fassen die in diesem Kapitel enhaltenen Begriffe zusammen.
Die beiden Erscheinungen: Nutzbarkeit und Werth, Mitwirkung der
Natur und Mitwirkung der Menschen, folglich Gemeingut und per—
sönliches Eigenthum, begegnen sich beim Ackerbau wie bei iedem
anderen Gewerbszweige.

Bei der Hervorbringung des Kornes, welches unseren Hunger
stillt, ereignet sich etwas Aehnliches wie bei der Bildung des Wassers,
welches unseren Durst löscht. Volkswirthel! bietet uns der Ocean,
welcher den Dichter begeistert, nicht auch einen schönen Gegen-