355

des Geldes von anderen Waaren. Es ist in dem vorgeschrittenen
Zustande der Gesellschaft Werthanzeiger, Preis maß, d. h. ein
But, in dessen Quantitäten die Preise aller anderen Güter und
Leistungen ausgedrückt worden. Aber diese Auffassung des Geldes
als eines Werthmessers beruht nur auf dem Scheine. Wir geben
in Folgendem aus Bastiat's kleinen Schriften einen jener Dialoge
wieder, durch welche er es so meisterhaft versteht, Wahrheiten an—
schaulich zu machen. Es handelt sich in dem hier angegebenen
Bespräch um die Frage, ob der Reichthum im Gelde besteht, und
die Erörterung derselben führt schließlich zu der Untersuchung über
das Geld als Werthmesser.

— Setztzen wir einmal den Fall — so läßt Bastiat zwei über
das Wesen des Geldes Streitende sich unterhalten — Du wärst
Gesetzgeber, unumschränkter König eines großen Reiches, in dem es
keine Goldminen giebt.

— Gut, der Gedanke gefällt mir.

— Nehmen wir ferner an, du seist vollkommen davon über—
zeugt, daß der Reichthum einzig und ausschließlich im Gelde besteht;
was für eine Folgeruug würdest du daraus ziehen?

— Daß es für mich kein anderes Mittel gäbe, mein Volk zu
bereichern, als andern Völkern das Geld zu entziehen.

— Das heißt also, sie arm zu machen. Die erste Folgerung,
zu der du kämest, wäre also: Ein Volk kann nur dasjenige ge—
winnen, was ein anderes Volk verliert.

— Dieser Grundsatz hat auch die allgemeine Meinung
für sich.

— Ist aber darum nicht minder beklagenswerth, denn schließ
lich besagt er nichts anderes, als: der Fortschritt ist unmöglich; zwei
Völker kömnen so wenig als zwei Menschen neben einander ge—
deihen!
Das scheint allerdings aus jenem Grundsatz zu folgen.

— Und da ferner alle Menschen danach streben, sich zu be—
reichern, so folgt ebenfalls aus jenem Grundsatze, daß Jeder, kraft
eines von der Natur selbst angeordneten Gesetzes, dahinstrebt, seinen
Nächsten zu Grunde zu richten.