— 383 —
also die Silberwährung ohne Kupfergeld in einzelnen Fällen schon
eine Vertheurung mit sich bringt; es wird von allen Seiten zuge—
geben, daß bei Einführung der Goldbaluta Silbergeld als Scheide—
münze nicht zu entbehren sei, warum will man denn eine Art von
Doppelwährung einführen? Wir wissen sehr wohl, daß man dabei
dem Beispiel Großbritaniens folgen und den Feingehalt der Silber⸗
münze so gering stellen könnte, daß die Collision, die eine wirkliche
Doppelwähruug mit sich bringt, vermieden würde, aber ist es nicht
schon immer eine Unbequemlichkeit, daß die Münze, in der man die
meisten Zahlungen des täglichen Lebens macht (wie dies thatsächlich
in England in Silber geschieht), bei einem Betrage von 2 Pfund
Sterling vom Empfänger zurückgewiesen werden kann?

Aber, sagen die Fürsprecher des Ueberganges zur Goldwährung
weiter, soll Deutschland sich denn von den größten Culturstaaten,
England, Frankreich, Nordamerika, Brasilien und Spanien isoliren,
indem es nach deren Annahme der Goldvaluta noch bei der Silber—
währung bleibt? Zuerst nun müssen wir behanpten, daß die Wäh—
rungsfrage mit der Culturfrage nichts zu schaffen hat. Wenn in
den Vereinigten Staaten und Frankreich neuerdings die Goldwäh—
rung zur Geltung gelangt ist, so liegt das nicht in ihrer vorge⸗
schrittenen Cultur, ja nicht einmal in einem freien Entschlusse und
in der Ueberzeugung von den Vorzügen dieser Währung, sondern
dies ging hervor aus dem ohne alle solche Absicht aufgestellten
falschen System der Doppelwährung; indem man nämlich in beiden
Staaten das Gold etwas zu hoch gewerthet, strömte dasselbe von
Californien und Anstralien dorthin. Sodann kann man von keiner
Isolirung Deutschlands sprechen, so lange noch Holland, Belgien,
Skandinavien, Rußland, ganz Italien die Silberwährung festhalten
und die ostindische Gesellschaft sie ganz neuerlich eigens annimmt.
(J. Januar 1853.) Auch die Unbequemlichkeiten, die für den Wechsel-
cours dadurch entstehen, daß mehrere der transatlantischen Länder die
Goldwährung angenommen, sind nicht hoch anzuschlagen, die Valu—
tenberhältnisse können sich nicht so rasch ändern, daß dies einen Ein—⸗
fluß auf jede einzelne Operation haben könnte. Außerdem gäben
die beiden größten Geldmärkte des Continents, Amsterdam und