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tet. Die Lebensart der meisten Einwohner ist die dürftigste, wie
denn bei dem geringen Verdienst nicht anders sein kann. Die We—
ber sind (mit Ausnahme von kaum einem halben Dutzend kleiner
Fabrikanten) meist bloße Lohnarbeiter und verdienen (mit Ein⸗
schluß eines guten Theils Sonntagsarbeit) wöchentlich oft nicht mehr
als 13 Thlr. wofür sie noch das Spulen und Schlichten durch
Dritte besorgen lassen müssen. Für Frau und Kinder giebt es
allerdings, besonders im Holz, manche kleine Nebenverdienste. So
sind sie für ihre Nahrung auch wesentlich auf Kartoffeln angewiesen.
Eine reichliche Bucheckerernte wird als besonderer Glücksfall betrach—
tet und das Oel in mancherlei Gestalt massenweise verzehrt. Brot
in Branntwein erweicht ist ein gewöhnliches Nahrungsmittel für die
kleinen Kinder. Wie gering die finanziellen Leistungsfähigkeiten sind,
ergiebt sich schon daraus, daß das gesezzliche Salzquantum niemals
ganz abgehoben werden kann und sogar nach bedeutender von der
Regierung genehmigter Ermäßigung noch immer Reste bleiben.
Die Einwohnerzahl hatte in den letzten Jahren bis 1858 (nach der
Volkszählung) abgenommen.

Daß die Dürftigkeit dieser Zustände nun namentlich auch in
den oben angedeuteten Erscheinungen bemerklich wurde, läßt sich
denken. Schon ein Gang durch die Gassen, ein flüchtiger Blick
auf die baufälligen Häuser und Kleider, auf die verkommenen Ge—
stalten u. s. w. konnte dem Harzreisenden keinen 8weifel lassen, ob
es hier ab- oder aufwärts ginge. Unter diesen Umständen war es
nicht zu verwundern, daß der Plan zur Gründung eines Vorschuß
vereins, der vor 8 Jahren von dem damaligen Stolbergschen Re—
gierungs · Rath v. Hoff ausging, fast allgemein mit Kleinmuth
oder wohl gar Spott aufgenommen wurde, indem man sich darauf
berief: wo nichts sei, könne auch nichts herkommen, und wenn das
Geld von anderswo beschafft würde, so werde man es zwar schnell
genug unter die Leute bringen, aber von Sinsen und Heimzahlnng
könne doch im Ernst keine Rede sein u, s. w. Ohne sich durch
solche Redensarten irre machen zu lassen, gingen die wenigen that⸗
kräftigen und einsichtigen Freunde der Sache unbeirrt ihren Weg
fort, und auch nach dem bald darauf erfolgten Abgang des ersten