wichtigsten socialen Fragen entscheidende Macht begrüßen. Eher
vielleicht ist zu verwundern, daß man die Sache so lange ignoriren
konnte.

Wir kommen jetzt zu dem französischen Genossenschaftswesen.
Auf die Ursachen, welche von den vielen Hunderten von Associa-
tionen unter den französischen und besonders Pariser Ouvriers,
vie sie 1848 und 49 gleich Pilzen emporschossen, nur einige 20
übrig bleiben ließen, brauchen wir hier nicht einzugehen. Es ge⸗
nügt uns hier die Thatsache, daß von diesen wenigen die meisten
nun schon ihr zehntes Jahr unlengbaren, zum Theil fast unbegreif-
iichen Gedeihens hinter sich haben — ein Resultat, das um so be—
achtenswerther ist, da es sich hier grade um die Anwendung des
rooperativen Princips handelt, welche in England nur unbedeutend
und in Deutschland noch gar nicht vertreten ist, nämlich unmittelbar
auf die handwerksmäßige Production. Vor Allem ist hin⸗
zuweisen auf die Pariser Maurerassoeiation, welche 1848 mit 16
Mitgliedern und einigen Schulden anfing und 1858 mit etwa
200 Mitgliedern ein Geschäft von 1,231000 Fr. in Bauten aller
Art gemacht hat, mit einem Reingewinn von 130000 Fr., wovon
30000 Fr. zum Reservefond geschlagen und 100000 Fr. als Di—
bidende zu 60 Procent der Arbeit und zu 40 Procent dem Capi-
tal zugewiesen wurden. Für das erste Semester 1860 betrugen
die übernommenen Bauten schon über eine Million, der monatliche
Arbeitslohn (mit Einschluß der Hülfsarbeiter) 30000 Fr. und Alles
andere nach Verhältniß. Die Association besitzt geräumige und
zweckmäßig (auch zu Wohnungen) eingerichtete Baulichkeiten eigen
und arbeitet in Paris und der Umgegend auf einigen zwanzig gro⸗
ßen Bauplätzen. Sie hat eine Bibliothek und Unterrichtslokale ge—
gründet und gedenkt demnächst eine Zeitschrift herauszugeben. Der
Gesellschaftsvertrag lautet auf 20 Jahre und wenn nicht außeror⸗
dentliche Calamitäten eintreten, so kann sich dann jedes Mitglied
mit einer Dividende von durchschnittlich mindestens 20000 Fr. zu—
rückziehen. Das beste Zeugniß aber auch für diese wackern Leute
giebt die Thatsache, daß sie selbst durch ihre materiellen Erfolge
keineswegs befriedigt sind, sondern es beklagen, daß die sittlichen