— 217
eben diese Concurrenz würden ihm die besten Waaren zu den bil.
ligsten Preisen geliefert.

Zu diesen positiven Gründen kommen noch die negativben,
welche gegen die Zünfte sprechen.

Das Vorschreiben einer bestimmten Lehr- und Gesellenzeit sei
keine Gewähr dafür, daß die Zeit auch gut zum Lernen benutzt
werde; — auch sei bei der Verschiedenheit der Anlagen bei dem
Einen eine viel kürzere Zeit hinreichend, um das Handwerk zu
erlernen, als bei dem Andern.

Die bei der Prüfung abgelegten Proben bürgten nicht dafür,
daß der Arbeiter auch für seine Kunden mit derselben Sorgfalt ar—
heiten werde, wie für das Gesellen, und Meisterstück. Auch sei es
gar nicht die Fähigkeit zu arbeiten allein, welche den künftigen
Meister mache, sondern eben so sehr und noch mehr die Fähigkeit,
ein Geschäft zu leiten.

Ueberdies lasse sich gar kein Maß feststellen, welches als all⸗
gemeines Erforderniß dem Handwerker gesetzt werden solle, da die
Befähigung sich nach den Bedürfnissen richten müsse, welche durch
sie befriedigt werden sollen, diese aber eine sehr wandelbare
Sache seien.

Dice Erschwerung und Verzögerung der Ansässigmachung wirke
zwar allerdings auf eine Verminderung der Meister, andererseits
aber werde durch die längere Dauer der Lehr und Wanderzeit die
Anzahl der Gesellen vermehrt, also eine Verminderung des Lohns
herbeigeführt, so daß, was auf der einen Seite gewonnen, auf der
andern verloren werde. Dazu komme, daß der Absatz der Gewerbs—
waaren ein unsicherer sei, also trotz aller Regelung die Anzahl der
Meister nicht mit dem Bedürfniß im Gleichgewicht erhalten wer—
den könne. Ueberdies würden auch bei aller Beschränkung die
fähigen Meister, welche die besten und billigsten Waaren liefern,
die meiste Kundschaft haben, während die unfähigeren nur in dem
Maße zu thun hätten, als die besseren die Arbeit nicht bewältigen
könnten.

Auf Grund dieser Anschauung suchte zuerst der Minister Tur⸗
got im Jahre 1774 die Zunfteinrichtungen in Frankreich aufzuheben.