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Nach seinem Austritt aus dem Ministerium wurde das darauf be—
zügliche Edict zurückgenommen. Die französische Nationalversamm.
lung machte am 4. August 1789 mit den Vorrechten der Kirche
und des Adels auch den mittelalterlichen Zunfteinrichtungen ein
Ende und verbot die Innungsgenossenschaften. Mit der Eroberung
des linken Rheinufers wurden die neuen freien Einrichtungen über
einen ausehnlichen Theil Deutschlands ausgedehnt, im Königreiche
Westfalen 1808 die Gewerbefreiheit eingeführt, und bald darauf
geschah dasselbe durch das Gewerbesteuergesetz vom 2. November
1810 auch in Preußen. Die meisten andern deutschen Länder
waren dazu ebenfalls schon geschritten oder folgten doch bald nach.

„Das Resultat jeder unbefangenen Prüfung der Verhältnisse,
sagt Dr. Rossel in einem Programm der Handels und Gewerbe—
schule zu Wiesbaden, muß gegen die Zünfte ausfallen. Oder lei—
stet die Vorschrift einer bestimmten Lehr- und Gesellenzeit für den
angehenden Handwerker etwa wirklich eine Bürgschaft dafür, daß
er jene Zeit auch wirklich gut zum Lernen benutzt habe? Und wie
reimt sich überhaupt mit der himmelweiten Verschiedenheit und bei
der manuigfaltigen Abstufung der menschlichen Anlagen und Kräfte
eine für Alle, d. h. für den Fähigsten, wie für den Unfähigsten
gleich bindende Ausdehnung ihrer Lehrzeit? Oder sind die schönen
Proben gewonnener Geschicklichkeit, die wir bei Gesellen . und Mei.
sterstücken in der Prüfung abgelegt sehen, dem Publikum etwa ein
Beleg, daß der Geprüfte auch seine Kunden mit derselben Sorg
falt und Geschicklichkeit bedienen werde, wie seine Herren Prüfungs
Commissare bei Anfertigung seiner Probearbeit? Wo liegt über⸗
haupt in der gewonnenen technischen Tüchtigkeit, auch in der höch⸗
sten, nur ein Beweis dafür, daß der geschickte Meister auch die
Fähigkeit besitze, ein Geschäft zu begründen und nach den Regeln
der einfachsten Buchhaltung zu leiten? Und wo bleibt die Werth⸗
schätzung der übrigen, insbesondere der von Geburt, Talent und
Geschicklichkeit völlig unabhängigen Charakter⸗Eigenschaften des neuen
Meisters, die biedere Gesinnung, die solide Lebensweise, das Stre—
ben nach Vervollkommnung und alle sonstigen mehr moralischen
Garantien, auf die das Publikum, wenn es vor Täuschung be—