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müsse das ganze Leben büßen, wenn man einen dummen Streich
gemacht. Hat einer seine Strafe ausgestanden, so ist er wieder
ehrlich. Früher hieß man in der preußischen Armee Hundsfötter
und Halunken, welche gestohlen hatten. Hatten sie ihre Strafe
ausgehalten, so kam der Profoß und fragte: wer ist da? Ein Ha—
lunke ist da! Und der Profoß ließ ihn rückwärts in den Kreis zur
Fahne kriechen, die Fahne wurde über ihn geschwenkt und der Ha—
lunke war wieder ehrlich. Das ganze Ding muß fallen, das geht
nicht; denn sonst würde nicht einmal Jemand Oberlandesgerichts-
rath werden können, wenn er von den Senioren in Verruf ge—
than wäre. Machen Sie es nicht wie jener Engländer, welcher
von 12 schweren silbernen Löffeln seinem Neffen 11 vermachte, den
(2ten aber nicht, weil sein Neffe schon wisse, warum. Es muß
doch eine Zeit geben, wo der Mensch wieder ordentlich werden
kann. Ich sage mit jener Oberhofmeisterin: wir sind alle bescholten.
Es sollte eine Dame zur Hofdame vorgeschlagen werden, die Hof—
damen aber sagten: oh, die hat einen schlechten Ruf. Die Ober—
hofmeisterin aber antwortete: das ist das Geringste bei der Sache;
wie ich Hofdame wurde, war mein guter Ruf schon längst zum
Tenfel. Wir sind ja auch bescholten; ist nicht die ganze Versamm-
lung durch Carikaturen und Maueranschläge bescholten gemacht
worden? Lassen wir dieses Wort fallen.“

Die Willkür-, Klatsch- Verläumdungs, und moralische Lynch-
und Geldbeutel-Justiz, welche in diesem scheinbaren Rechtsbegriff
liegt, kann in der That nicht eindringlicher gegeißelt werden, als
in dem angeführten Citate. Allein, hat a. a. O. Hildebrand mit
zutem Recht hinzugefügt, abgesehen von der vagen Natur des Be—
zriffs der Unbescholtenheit stehen einer Beschränkung der Niederlas-
sung durch Bescholtenheit sowohl die Humanität als das wahrhafte
Interesse aller Gemeinden entgegen; denn gerade die Ausschließung
der sogenannten Bescholtenen von dem Genuß der Freizügigkeit er⸗
zeugt die größten gesellschaftlichen Gefahren und befördert die De—
moralisation. Sie bannt den Verbrecher an seine ursprüngliche
Heimath, wo das Andenken an seine Vergehen lebendig lebt, wo
ihn die öffentliche Meinung verurtheilt, wo Mißtrauen alle seine