573 —
gehenden Beschränkung von Außen sollte fich die Schweiz noch zu
fürchten haben? Ist ihr nicht bereits der Verkehr mit Oesterreich,
Deutschland und Frankreich schwer genug gemacht? Hat sie sich nicht
bereits in großartiger Weise emancipirt von diesen europäischen
Handelsbeziehungen? Hat sie nicht durch die Kühnheit, mit welcher
sie ihre Waaren auf die entlegensten Märkte entsendet, dargethan,
daß sie sich zu helfen weiß, wenn in der alten Welt Mißgunst und
Unverstand zu herrschen fortfahren?

Etwas Anderes ist es, wenn man sagt, die Schweiz könne
nicht anders, als freihändlerisch sein, wenn sie ihren Vortheil im
Auge behalten wolle. Das aber freilich gilt für jeden Staat in
zleicher Weise.

Der deutsche Zollverband sperrt sich, wie schon bemerkt, gleich
Norwegen, Dänemark u. s. w. durch Schutzzoll gegen andere Länder
ab. Gleichwohl ist mit ihm in der Entwickelung Deutschlands ein
wichtiger Schritt gethan.

Jeder Sollverband ist die Gründung, des Freihandels inner
halb gewisser politischer Grenzen. So ist der deutsche Zollberein,
indem er die Schranken zwischen seinen Gliedern niedergerissen hat,
ein Schritt zum Freihandel, so die seit 1849 vollbrachte Oeffnung
der Binnenzollgrenze Ungarns. Selbst ein Colbert, indem er im
Norden und im Innern Frankreichs die Binnenzollgrenzen aufhob
und Eine Zollgrenze für den größeren Theil des Königreichs schuf,
senkte damit in die Bahn des Freihandels ein.

Für England ist der Freihandel allmählig zum Postulat ge—
worden. Die hochentwickelte Industrie, gestützt auf die natürlichen
und geistigen Vorzüge Englands, getragen durch die großartigsten
Tapitalanlagen, entwächst immer nichr den Kinderschuhen des Schutz.
systems. Die 1824 erfolgte Aufhebung der Seidenzölle bahnte das

der Bundesrath sich genöthigt gesehen habe, Belgien ernste Schritte in Aussicht
zu stellen. Interpellant hält solchen Erfahrungen gegenüber Repressalien am
rechten Orte. Diese Ansicht wird sofort auf's Aeußerste bekämpft. Die Bun—
— 0 geltend
gemacht, das Freihandelssystem befolge man nicht um der Nachbarn, sondern
um seiner selbst willen.