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über die Wirklichkeit hinausgehen. So z. B. hätte England, nach
den Ein; und Ausfuhr « Verzeichnissen des vorigen Jahrhunderts,
eine Geldmenge besitzen sollen, welche mehr als das Achtfache der
höchsten Schätzung von der vorhandenen Baarschaft beträgt. Und
die Schweiz, welche dem Handelsverkehr immerfort einen freien
Lauf ließ und darum auch nach den Angaben ihrer zollumgürteten
Nachbaren eine ganz ungünstige Bilanz zeigte, hätte schon längst
keinen Pfennig mehr besitzen sollen, während sie hingegen an Wohl—
stand zusehends zunahm und Capitalien dem Auslande darleihen konnte.

Noch viel unerklärlicher war aber die Erscheinung, daß jeder
Staat, der die Mauth anwandte und die Handelsbilanz unter—
suchte, immer den Vortheil auf seiner Seite fand. Der gegenseitige
Verkehr zwischen England und Frankreich ergab einen Gewinn für
beide; nach den Grundsätzen des ganzen Systems konnte aber das
eine Land nur gewinnen, was das andere verlor.

Gegen solche Zahlen und Erfahrungen blieb nun freilich nichts
anderes übrig, als die Schuld auf die Ungenauigkeit der Zollre⸗
gister zu werfen. Und sobald man einmal den 8weifeln zugänglich
war, so lagen sie auch zahlreich vor Augen. Wird nicht immer
und überall, je höher der Zoll, eine um so größere Menge von
Waaren durchgeschmuggelt? Ist es nicht einladend, wenn die Ein—
fuhr besteuert und die Ausfuhr durch Rückzölle belohnt wird, den
Betrag der ersteren geringer und den Betrag der letzteren höher
anzugeben? Und was soll man von einer Rechnungsweise halten,
welche die Ausfuhr von Waaren für 200000 Thlr. ganz als Ge—
winn einträgt, wenn wegen der Zahlungsunfähigkeit des Empfän .
gers oder anderer Unglücksfälle wegen gar kein Ersatz eingeführt
wird, während sie hingegen einen eben so großen Verlust heraus-
bringt, wenn jene Ausfuhr durch einen doppelten Gegenwerth mit
eingeführten Waaren erstattet wird!

Der Grundfehler der Handelsbilanz liegt in der irrigen Auf-
fassung der Begriffe von Geld und Reichthum. Beide sind nichts
weniger als gleichbedeutend. Das Geld ist nur ein Theil, und
zwar immer nur ein geringer Theil des Nationalreichthums, der
eben ohne Ausnahme alle materiellen Güter umfaßt. Wenn der