584 —
vorigen Werthes, d. h. sie repräsentiren oder sie verschaffen nur
halb so viel Güter als vorher. Die natürliche Folge der Zunahme
des Geldes ist also ein Steigen der Preise. Je höher aber der
Preis der Güter, um so schwieriger der Verkauf an das Ausland.
Die Geldeinfuhr muß nothwendig die Möglichkeit der
Waarenausfuhr vermindern. Und so ist das Streben des
Mercantilshystems auf zwei Dinge gerichtet, die sich ihrer Natur
aach gegenseitig ausschließen oder aufheben müssen.

Derselbe innere Widerspruch ergiebt sich auch aus den Grund-
bedingungen des Handels. Was ist der Handel anders als ein
Tausch? und in freien Verhältnissen bringt ein Tausch beiden
Theilen Vortheil, denn sonst wäre kein Grund zum Tauschen.
Jeder erhält durch den Handel oder Tausch, in Beziehung auf seine
Wünsche und Bedürfnisse, oder nach dem Gebrauchswerthe, mehr
als er gegeben hat. Es entsteht also das nothwendig von selbst,
was das Mercantilsystem unter seinen irrigen Voraussetzungen weder
erklären noch begreifen kann, eine Bilanz nämlich, die günstig ist
für beide Theile. Und die Summe dieses Gewinns wird nach bei—
den Seiten hin um so größer sein, je mehr dem Tausche oder Han.
del die volle Freiheit gewährt ist.

Die Ausschließung fremder Waaren vertheuert; denn wenn die
inländischen Erzeugnisse besser oder wohlfeiler wären, so brauchte
der Ankauf nicht durch Zollschranken erzwungen zu werden. Es
fragt sich nun, ob der Nachtheil dieser Vertheuerung wirklich, wie
die Wortführer des Schutzzolls sagen, durch den größeren Verdienst
der einheimischen Arbeiter aufgewogen wird, und diese Frage führt
auf die folgende: Ist die Arbeit Mittel oder Zweck? Hängt der
Wohlstand ab von der Dauer und von der Mühe. oder von dem
Ergebnisse der Arbeit?

Wenn man den raschen Fortschritt der Erfindungen, den Ge—
brauch von Maschinen oder überhaupt eine Zeit oder Kraft sparende
Einrichtung der Gewerbe beklagt oder zu beschränken sucht, wenn
man für vortheilhafter hält, zur Herstellung irgend eines Dinges
Arbeiter länger oder in größerer Zeit zu beschäftigen, so betrachtet
man die Arbeit nicht als Mittel, sondern als Zweck.