*

623
wohner ausgleichend, die sicherste Stütze des Staats abgeben, und
auf dessen Erhaltung um so mehr Bedacht zu nehmen ist, je ent⸗
chiedener im Uebrigen die wohlhabende Mittelklasse von der ärmeren
Klasse überwogen wird, und je mehr solche Grundbesitzer bei ihrer
einfachen Lebensweise geeignet sind, sich in ihrer Wohlhabenheit zu
erhalten.

Kleine Besitzungen ohne Spannkraft endlich bis zu den kleinsten
herab sind die geeignetsten, die Ertragfähigkeit schlecht eultivirten
Bodens zu erhöhen, die nutzbarsten für die Anbauung von Garten-
früchten; sie bieten Gelegenheit dar, daß auch der Handwerker, der
Fabrikant, der Tagelöhner ein seinen Verhältnissen entsprechendes,
den Lebensbedarf wenigstens theilweise gewährendes Besitzthum er⸗
werben kann, und erweisen sich dann um so nützlicher und gegen
vpöllige Verarmung schützender, wenn bei Stockungen im Gewerbe
der Verdienst geschmälert ist. Vorauszusetzen ist dabei, daß die
Güter da, wo hauptsächlich Feldbau getrieben wird, nicht unter eine
Größe herabsinken, welche Feldbau und Vichzucht nicht mehr mit
Vortheil zu betreiben gestattet, daß überhaupt nicht der ganze Grund
und Boden einer Gegend sich in kleinere Besitzungen auflöst; denn
so gedeihlich der Zustand ist, wenn sich ein angemessenes Gleichge⸗
wicht zwischen großen, mittleren, kleinen und ganz kleinen Besitzungen
erhält, so nachtheilig ist die Einwirkung, wenn dieses Gleichgewicht
gestört wird.

Ist der Grund und Boden in den Händen verhältnißmäßig
Weniger vereinigt, so bleibt den eigenthumslosen Landwirthen nichts
übrig, als theuer zu pachten. Die Zahl derer, welche sich von der
Landwirthschaft gut nähren, ist geringer, als sie es ohne Nachtheil
für das Allgemeine sein könnte, es kann sich kein wohlhabender
Bauernstand bilden.

Weit nachtheiliger ist aber eine übermäßige Zerstückelung des
Bodens. Wie aus dem Vorhergehenden von selbst folgt, daß die
Zerstückelung dann als übermäßig betrachtet werden muß, wenn im
Allgemeinen oder auch nur in einzelnen Gegenden und Orten eines—
theils die größeren und mittleren Güter in solchem Maße sich ver⸗
mindern, daß der wohlthätige Einfluß der geschilderten Vortheile