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zu beseitigen trachten. Dies ist die Aufgabe volkswirthschaft-
licher Einsicht, das Gebot wahrer Menschenliebe. Man hat den
Volkswirth oft gefühllos gescholten, weil er gegen Almosenspenden
eifert. Er thut dies aber nur, weil er zu der Einsicht ge;
laugt ist, daß Almosen geradezu das Elend erzeugen und vermehren,
welchem die Spender abhelfen möchten. Eben weil der Volkswirth
ein reges und tiefes Gefühl für seine Mitmenschen im Busen trägt,
erforscht er die Bedingungen, welche die Lebenslage der Menschen
bestimmen, sucht nach den Mitteln, diese zu heben. Das Gefühl
aber muß stets von der Einsicht geleitet sein. Die Handlungen der
Einsichtslosigkeit richten nicht darum weniger Schaden an, weil sie
von einer blinden Liebe eingegeben wurden. Der Volkswirth er⸗
kennt die Möglichkeit und darum auch die Pflicht, das Elend aus
der Wirthschaftsgemeinde auszurotten; — keine leichte Aufgabe,
weil das Elend aus Mängeln und Mißbräuchen wächst, die, wie
sich wohl voraussetzen läßt, tief in unserer staatlichen Organisation
wurzeln. Er nimmt somit den Kampf auf gegen übermächtige Ein—
richtungen, befestigte Sonderinteressen, überkommene Anschauungen,
— gegen die Hartnäckigkeit des Altbestehenden und die Trägheit
des Längstgewöhnten; aber die Größe des Siels, die Beseitigung
der beleidigendsten Formen menschlichen Leidens läßt für Bedenken
keinen Raum. Diejenigen, welche bei dem umsichgreifenden Elende
Anderer sich in aller Gemüthlichkeit durch eine Almosenspende be—
ruhigen können, sind keinesweges berechtigt, ihr Menscheugefühl
über dasjenige der Volkswirthe zu stellen, welches Angesichts
großer socialen Gebrechen sich nicht auf so wohlfeile Weise beschwich
tigen läßt.

Die Vorstellung, daß das Darben eines beträchtlichen Theiles
jeder Volksgemeinde eine Naturnothwendigkeit sei, wird durch meh—
rere Umstände hervorgerufen, und es wirken für die Aufrechthaltung
dieser Annahme mächtige Interessen. — Elend ist ja von jeher
unter den Menschen gewesen; und „was von jeher war, das muß
immer bleiben“, schließt der Gedankenlose, anstatt zu bedenken, daß
das Abthun der Uebel, die bisher waren, gerade das Princip des
Fortschreiteus der Menschheit ist. — Dann herrscht auch eine ge—