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läufige Formel von einer ununterbrochenen Kette mit unmerklichen
Uebergängen als durchgehendes Gesetz aller Naturerscheinungen;
und mit dieser scheint es zu stimmen, daß sich auch die Lebenslagen
der Menschen von der unermeßlichsten Fülle bis zum äußersten
Mangel abstufen müssen, und zwischen dem Verkommen in Ueppig
keit und dem Vergehen vor Hunger keine Lücke in der Klassenreihe
bestehen könne. Solcher metaphysische Schematismus ist ein bloßes
Gedankenspiel, welches vor der Kritik positiver Verhältnisse sogleich
schwindet. Gesteht man sich aber: „Das Darben der untersten
Klasse einer Culturgemeinde ist keine Nothwendigkeit, sondern läßt
sich beseitigen,“ so ladet man sich die unweigerliche Pflicht auf, es
zu beseitigen, mögen dazu noch so große Anstrengungen und Opfer
erforderlich sein. Leichthin also wird man sich dies Geständniß nicht
machen, denn Anstrengungen und Opfer werden gescheut. Man
kann aber nicht die Abstellbarkeit des Darbens in der Culturge—
meinde annehmen, so lange man nicht deutlich die Mittel und Wege
solcher Abstellung überschaut, also die Quellen der Befriedigungs-
mittel, die Bedingungen der Vermehrung und die Gesetze der Ver⸗
theilung derselben erkennt, mithin eine klare Einsicht in das Wesen
der Volkswirthschaft erlangt hat. Diese Einsicht aber fehlte lange
und fehlt noch Vielen. Es ist also nicht zu verwundern, daß der
Glaube an die ewige Naturnothwendigkeit des Elends sich so lange
erhielt und noch verbreitet ist. Selbst nachdem der gewaltige Auf—
schwung der Industrie und des Handels sich den Blicken Aller auf-
dräugte, und eine höhere Würdigung volkswirthschaftlicher Entwicke-
lungskräfte erzwang, mußte jener alte Glaube scheinbar eher eine
Bestätigung erhalten, als erschüttert werden; denn im Verhältniß
zu jener industriellen Entwickelung und dem gesteigerten Reichthum
einerseits trat andrerseits das Massenelend um so greller an den
Tag, und zwar am grellsten an den Sitzen der vorgeschrittensten
Industrie. Wie sollte man nach dieser Erscheinung vermuthen, daß
der volkswirthschaftliche Fortschritt das Massenelend zu beseitigen
vermöge? Man zog vielmehr natürlicher Weise den entgegengesetzten
Schluß: daß die Steigerung der Industrie auch das Elend der
untersten Volksklasse steigern müsse. Man erkannte nämlich nicht,