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menpflege zu den gesetzlichen Bestimmungen über dieselbe über, wie
verschiedene Staaten sie festgestellt haben. Wir beginnen mit
England.

Die Hauptzuflucht der Armen war im Mittelalter die reich
dotirte Kirche mit ihren zahlreichen Stiftungen und Klöstern. Das
ausgedehnte Almosenwesen machte jede weltliche Armengesetzgebung
überflüssig. Wer hungerte, klopfte an die Klosterpforte, welche sich
jedem Darbenden willfährig öffnete. Es ist eine höchst bezeichnende
Thatsache, daß derselbe Monarch, welcher in England die Abteien,
Stifter und Klöster secnlarisirte, auch genöthigt war, im Jahre
1536 das erste Armengesetz zu geben. Als Heinrich VIII. die
Klostergüter und einen großen Theil der übrigen Kirchengüter ein—
zog, fiel die ganze Last auf die wohlhabenden Gemeindemitglieder.
Das wichtigste Armengesetz, welches bis in die neueste Zeit die
Grundlage des ganzen euglischen Armeuwesens bildete, wurde im
Jahre 1601 unter der Königin Elisabeth gegeben und blieb 233
Jahr in praktischer Gültigkeit.

Nach dem Armengesetz von 1601 wird die Armenernährung
als reine Kirchspielslast betrachtet. Beitragspflichtig ist nur das
Einkommen von Grund und Boden, landwirthschaftlichen Grund—
stücken, Häuser, Zehnten, Kohlenminen n. s. w. Die Verwaltung
ist in den Händen von Kirchspielsbeamten, „Armenaufseher“. Alle
Beitragspflichtigen werden abgeschätzt und die Armentaxe kanu nö—
thigenfalls zwangsweise erhoben werden.

Die Unterstützungen wurden theils außerhalb, theils innerhalb
des Werkhanses gewährt; sie bestanden bisweilen in Naturalien,
meistens aber in Geld. Dieses Gesetz selbst hatte große Mängel,
noch größere Uebelstände wurden aber durch die eingeschlichenen Miß
bräuche hervorgerufen. Die Zahl der Arbeitsscheuen wuchs von
Tag zu Tag, es gab Kirchspiele, wo fast alle ländlichen Haudar
beiter der Armenkasse zur Last lagen. Je höher die Armentaxe
stieg, desto tiefer sank die Laudrente. Die wachsende Unberschämt.
heit der Almosenempfänger organisirte ein förmliches Einschüchte
ruugssystem; Drohungen, Gewaltschritte, Brandlegungen bon Sei—
ten der arbeitsscheuen Armen gegen die Wohlhabenden waren an