715
werbfleiß und Armenpflege“ mit rühmlichem Eifer, mit nie
geschwächter Thatkraft, in edelster Begeisterung verfolgt.

Die Gesellschaft nennt den einen Zweig ihrer Thätigkeit , För⸗
derung der Armenpflege“. Wenn man aber ihr Wirken verfolgt,
so begegnet man in dieser Richtung nicht eigentlicher Armenpflege,
vielmehr einer weisen Sorge für die Verminderung der Ur.
sachen der Armuth. Und diese Sorge ist es, die vor Allem
Noth thut; dieses Streben ist es, welches allein zum ZSiele führen wird.

Es darf erwartet werden daß in der Schweiz, wo die gemein
finnige Privatthätigkeit so vorherrschend heimisch ist und so uunge⸗
hemmt walten kann, wo auf allen Gebieten der Volkswirthschaft die
richtigen Grundsätze mehr und mehr zur Geltung kommen, wo der
freien Entwicklung des Volkswirthschaftslebens nur noch so geringe
Hemmnisse entgegenstehen, wo Industrie und Handel mit jedem
Jahre einen so mächtigen nenen Aufschwung nehmen, und die Land
wirthschaft bald gezwungen sein wird, in ihrer Entwicklung ihnen
nachzustreben: es darf erwartet werden, daß hier die Staatsarmen—
pflege einen immer kleineren Berufskreis finden und daß es in nicht
zu ferner Zeit dahin kommen werde, daß man die Sorge für arbeits-
unfähige Glieder des Volkes lediglich den Angehörigen, die Sorge
für das Fortkommen arbeitsfähiger Unbemittelter aber lediglich diesen
selbst, und bezüglich ihren Angehörigen, oder der gemeinnützigen Thätig-
keit der zu solchen 8wecken vorhandenen Vereine überlassen kann.