die Unterschlagung von Geldposten der subaltern Bediensteten eben
nicht zu den äußersten Seltenheiten. Eine Privatunternehmung wäre
im Interesse ihres guten Rufes und ihrer Erhaltung ebenfalls genöthigt,
mit der größten Strenge für die Treue und Ehrlichkeit ihrer An—
gestellten und die Zuverlässigkeit ihrer Beförderungsweise zu wachen.
Auf Privateisenbahnen, Eilwagen ꝛc. kommen die Veruntreuungen
von Frachtsendungen durchaus nicht öfter vor, als auf den analogen
Staatsanstalten.

Eine Nothwendigkeit des postalischen Staatsmonopols existirt
demnach nicht. Es liegen keine anderen Gründe vor, welche es ver—⸗
hindern, zwischen Staats und Privatanstalten zu wählen. Nun ist
aber die Post überall Staatsanstalt, und es fragt sich, ob der
Uebergang zum entgegengesetzten System wünschenswerth wäre?
—ADDD

Wir glauben, sehr bedeutend. Einen Hauptvortheil, daß näm⸗
lich die Post unter Privatleitung nicht zur politischen Partei und
zur Polizeianstalt mißbraucht würde, haben wir bereits angedeutet.
Von diesem wohl vorübergehenden Uebelstand des gegenwärtigen
Staatspostwesens abgesehen, scheinen uns auch die bleibenden finan-
ziellen und volkswirthschaftlichen Vortheile des angedeuteten System⸗
wechsels beachtenswerth.

Es ist bekannte Thatsache, daß die private Verwaltung überall
billiger, als die staatliche ist. Wenn die Post heute unter staat—
licher Leitung doch bedeutenden Gewinn abwirft, so wäre dieser
unter privater Verwaltung gewiß um ein ansehnliches größer. Die
allgemein verlangte, im Interesse des Verkehrs und der Cultur so
wünschenswerthe Herabsetzung der Portogebühren wäre dann um so
leichter zu verwirklichen.

Ihre Verwirklichung wäre aber auch aus andern Gründen von
Privatunternehmern eher als vom Staate zu erwarten. Die Stabili—
tät liegt in der Natur von Staatsberwaltungen, die sich nur ungern
und langsam zu Reformexperimenten entschließen. Hingegen charakte—
risiren sich die großartigen, modernen Privatunternehmungen eben
dadurch, daß sie in ihrem rastlosen Thätigkeitstrieb und der nimmer-
satten Gewinnlust keinen Stillstand kennen, sich mit der erlangten