Fünftes Kapitel. Bei der Gegenüberstellung von Staat und Gesellschaft ist uns schon in allgemeinen Zügen klar geworden, worin die Physiokraten das Wesen des Staates gesehen haben. Um das kurz zusammenzufassen, war ihnen der Staat eine bewußte vernunftgemäße Organisation der von Natur aus gegebenen menschlichen Gemeinschaft. Diese Auffassung ist als Folgerung der schon im zweiten Kapitel dargestellten Lehre von der Gesellschaft und dem „ordre naturel“ als einer Verschmelzung der physischen und der ethischen Ordnung zu betrachten: das „Physische“ bezieht sich danach auf die Abhängigkeit von der äußeren Natur und ihren Gesetzen und bildet die Elemente des naturnotwendigen sozialen Daseins ; das „Ethische“ dagegen ist die Organisation der zwischenmenschlichen Beziehungen nach den durch die Einsicht der Vernunft den Menschen sich erschließenden athischen Maximen auf der Grundlage der physischen Notwendigkeit. Diese Organisation ist der Staat: insofern er sich diesen „physischen“ und „ethischen“ Anforderungen anpaßt, bildet er den „ordre naturel“; im entgegengesetzten Falle — den „ordre ‘de d&pravation“, wie er in der Geschichte und in der Gegenwart überall zu konstatieren ist. Als Form des sozialen Daseins ist der Staat auf einer bestimmten Stufe der Entwicklung entstanden: mit dem Beginn der Ansässigkeit und des Ackerbaues hat er sich mit Notwendigkeit („physiquement“) herausgebildet. FEnt-