Siebentes Kapitel. Einer der unversöhnlichsten Gegner der physiokratischen Doktrin, der Abbe Mably, hat dem Physiokraten Le-Mercier vorgeworfen, daß er im Widerspruch mit der Lehre von der Unfehlbarkeit des Monarchen ein Gegengewicht in der kontrollierenden Tätigkeit der Gerichte eingesetzt habe !. Mag dieser Vorwurf auch den Kernpunkt der Theorie vom „despotisme legal“ nicht treffen, jedenfalls weist er richtig darauf hin, daß die Physiokraten, nachdem was wir bis jetzt von ihnen geschildert haben, zwischen Monarch und Volk keine Zwischenstufen, keine „corps intermediaires“ dulden konnten, weil das nach ihrer Meinung zur Spaltung der Staatseinheit führen muß. Diesen starren Standpunkt hat aber der Physiokratismus, als Ganzes betrachtet, im Laufe der Zeit verlassen müssen, als er in der praktischen Politik, vertreten von Turgot und Dupont, in der Gestalt eines Systems von Reformplänen zur Rettung Frankreichs auftrat*. Die Gründe für den Umschwung sind ebenso sehr innerhalb, wie außerhalb der Doktrin zu suchen, Was die inneren Gründe betrifft, so haben wir darauf schon in der früheren Darstellung, bei der Hervorhebung der oppositionellen Momente in den Ausgangspunkten der 1 Mably, Doutes proproses aux philosophes 6&conomistes sur l’ordre naturel et essentiel des societes politiques, ch. III. ? Über die allmähliche Radikalisierung der Physiokraten vgl. A. Jobez, La France sous Louis XVI, p. 941/2. Staats- u. völkerrechtl. Abhandl. VI 3. — Güntzberg.