7. Allgemeiner Theil der Verfassungslehre. 31
Jeremias Bentham und seine Bedeutung für die Staatswissenschaften. Wenn
die Ideen Bentham's von einem sehr einseitigen Princip (der Nützlichkeit) aus⸗
gehen und seine Vorschläge mitunter nicht bloß originell, sondern überspannt
und unausführbar sind, so bleiben gleichwohl seine Werke von hohem Werthe.
Er hat Epoche gemacht in der Staats- und Rechtswissenschaft und der Gesetz⸗
gebungskunst. Seine Logik und Originalität ist lehrreich und anregend. Man—
ches bezieht sich speciell auf britische Verhältnisse und Mißbräuche, welche er
oft mit leidenschaftlicher Bitterkeit angreift. Der staats- und rechtsphilosophische
Theil seiner Werke ist wohl besser als im englischen Original in der freien
französischen Bearbeitung Dumont's zu studiren.
In dem neuest erschienenen Werke Mohl's Politik J. Bd. 1862) ent⸗
hält besonders Abschn. J. Politische Aphorismen) und II. (von Ständever—
sammlungen) manche treffliche Winke für Verfassungslehre, wie die folgenden
Abschnitte für die Specialitaäten lehrreich sind. In diesen Auffätzen leuchtet
vielfach der staatsmännische Blick und der praktische Sinn des Verfassers, un—
termischt mit dem, was eine Parthei Gesinnungstüchtigkeit nennt und der Hin—
neigung zu gewissen Schultheorieen.
Wir verweisen auf den Artikel Literatur von Bülan, in dem Rotteck'-schen
 Staatslexikon; ferner Schmitthenner, XI Bücher v. Staate. Bd. J.
2. Aufl. 1839, enthält 89 39 —42. 71 -80. 93 -98. und Bd. III. 1843.
dð 127. 131. einen Reichthum literarischer Notizen mit trefflichen Bemerkun⸗
gen. In sachlicher Hinsicht vereinigt der Verfasser richtigen praktischen Blick
mit einer Gesinnung, welche auf gesetzlich geregelte Freiheit zielt, die Bedürf—
nisse der concreten Verhältnisse und die geschichtliche Entwickelung des Rechts
berücksichtigt. Ein großer Theil des J. Bos. ist der Nationalökonomie gewid⸗
met und dehnt sich selbst in das Gebiet der wissenschaftlichen Landwirthschaft
aus; in beiden Bänden verräth sich einerseits die Liebhaberei des gelehrten
Mannes für archäologische und etymologische Studien, anderseits seine Ver—
trautheit mit der speculativen Philosophie. Mit dieser Beimischung heterogener
Dinge, welche für Liebhaber interessant, aber störend für Diejenigen sind,
welche nur praktische Lehren suchen, bleibt das Werk im Ganzen und in ein⸗
zelnen Theilen werthvoll für Diejenigen, welchen Wahrheit und besonnene
Freiheitsliebe mehr gilt als Partheigeist.
Von neuerer deutscher Literatur erwähnen wir hier nur kurz die Schriften
von Bülau, Dahlmann, Zachariä.
Sehr beachtenswerth für die französische Literaturgeschichte unseres
Faches sind die Notices historiques par Mignet, 30. Edit. Brux. 1853,
welche die schriftstellerischen Leistungen und die politische Wirksamkeit mehrerer
der ausgezeichnetesten französischen Publicisten und Staatsmänner neuester Zeit
Sieyes, Röderer, Talleyrand, Merlin, Destutt de Tracy, Daunon, Simeon,