7. Allgemeiner Theil der Berfassungslehre. 35
selben geschmeichelt habe und daß die Politik Beweise davon enthalte. Das
Gegentheil geht aus den Thatsachen hervor, welche die gründliche und scharf—
sinnige Kritik Stahr's festgestellt hat. Stahr, Aristotelia, 2 Bde. 1830.
1832.) In jener Periode, als der vom Siegestaumel berauschte Alexander in
Asien sich dem Uebermuthe astatischer Despoten und den Lastern hingab, lebte
Aristoteles entfernt von ihm zu Athen; er stand in vertrauter Correspondenz
mit dem in Alexander's Gefolge befindlichen Kallisthenes, welcher sich heraus⸗
nahm dem Könige unangenehme Wahrheiten zu sagen und für diese Verwegenheit
 von Alexander einem grausamen Tode geweiht wurde, indem er ihn eines
Complottes beschuldigte und den fern lebenden Aristoteles als Anstifter verdäch⸗
tigte. Alexander's Tod wurde von Einigen am Hofe einer Vergiftung zuge⸗
schrieben und ausgestreut, Aristoteles habe das Gift geliefert. Diese falschen
Beschuldigungen beweisen aber, daß Aristoteles in den Augen seiner Zeitgenos⸗
sen nicht der Schmeichler des übermüthigen Eroberers war. In der ersten
Periode seiner Feldzüge bewies Alexander seinem ehemaligen Erzieher und
Lehrer seine Dankbarkeit durch ansehnliche Geschenke und indem er demselben
für seine naturwissenschaftlichen Arbeiten aus allen astatischen Ländern Notizen
und Naturgegenstände liefern ließ; und hinwieder ist nicht zu bezweifeln, daß
der Unterricht des Aristoteles in seinem Zöglinge diejenigen fortschrittlichen
Tendenzen anregte, welche derselbe in den eroberten Ländern durch Anlegung
neuer Städte und Handelsstraßen und durch Exploration der fernsten Länder
und Meere bethätigte. Uebrigens kann das Verhältniß beider als Erzieher und
Schüler und ihr Zusammenleben höchstens vier Jahre gedauert haben; indeß
mag Aristoteles, welcher sich auch später und nach Alexander's Thronbesteigung
in Makedonien aufhielt, Einfluß gehabt haben. Aber er begab sich zum zwei⸗
ten Male nach Athen, ehe Alerander seinen Zug nach Asien antrat. Daß er
ihn auf seinen Feldzügen begleitet habe, ist entschieden unrichtig. Soviel geht
aber aus Allem hervor, daß er durch seine Verhältnisse, so wie auch durch die
ganze Anlage und Richtung seines Geistes geeignet war die Staatswissenschaft
und die Staatskunst mit dem umfassendsten Ueberblick nach den Gesetzen des
klaren Verstandes und nach den contreten Verhältnissen theoretisch und praktisch
zu behandeln. Der staatskluge, menschenkundige Philipp setzte hohen Werth
darauf, den Aristoteles, welcher als Sohn des koͤniglichen Leibarztes am make—
donischen Hofe aufgewachsen war, zum Etzieher und Lehrer seines Sohnes zu
gewinnen; er willigte ein, das von ihm früher zerstörte Stagira, Aristoteles
Vaterstadt, wieder herzustellen und dort eine Unterrichtsanstalt zu gründen.
Stahr macht es wahrscheinlich, daß Alexander nebst einigen andern Jünglingen
von Aristoteles in Stagira unterrichtet wurde.
Fortwährend bis in die neueste Zeit haben die größten Gelehrten, Publi—⸗
cisten und Philosophen in Deutschland, wie in Frankreich und Italien, die