36 Die formale Politik oder Verfassungslehre.
eminenten Verdienste des Aristoteles, wie um Philosophie und alle Gebiete des
Wissens, so um die Staatswissenschaft anerkannt.

Anmerkung. Für einige Leser mag folgende chronologische Zusammenstellung nicht
ohne Interesse sein. Man ist darauf gewiesen, die Anfänge politischer Weisheit bei den Grie—
chen auf Pythagoras und die Pythagoräcr zurückzuführen; allein die Sage davon ist
dunkel. Pythagoras selbst hinterließ nichts Schristliches. Ritter, Gesch. d. Philosophie,
l. Bd. IV. B. S. 432.) Niebuhr setzt die Geburt des Pythagoras in die Jahre 584- 586
o. Chr. Bei Herodot findet man eine merkwürdige Erzählung, wie nach Ermordung der
Magier 7 perfische Magnaten die Vorzüge der Demokratie, Aristokratie und Monarchie discu—
tirt haben sollen. (Herod. III. 80 ff.) Geboren 484, liest er seine Geschichte vor den Panathe—
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res, welcher vielfach anregend wirkte, auch für politische Erörterungen und die Schule der so—
zenannten Sophisten(d. h. Lehrer der Staatswissenschaft und der öffentlichen Beredtsamkeit)
in Mißeredit brachte, starb als Opfer politischer Rachsucht und des Priesterhasses 400 v. Chr.
Thukydides, dessen Geschichtswerk reich ist an Staatsreden und politischen Erörterungen,
390. Platon, geboren 429, 4*348. Demosthenes und Aristoteles, Beide aeboren
384, starben Beide 322 v. Chr. Polybius, geb. 203, 4* 121 v. Chr.
Vgl. Heeren, Ideen üb. Politik u. Verkehr der Völker der Alten Welt. Griechen, V.
u. IX. Abschnitt.
Die Idee des Esprit des Lois und theilweise eine treffliche Ausführung derselben
findet sich in der Politik des Aristoteles: das Motto bei Montesquieu: »proles sine matre
zreota« klingt daher etwas anmaaßend. Macchiavell hat einige Züge seines Principe fast
vörtlich aus Aristoteles entlehnt, un Bodinus, De republica hat offenbar die Anordnung
der Politik des Aristoteles zum Muster genommen. Grotins macht häufig Gebrauch davon.
Thomas von Aquino, 4*1274 und Albert der Große, 51280, Beide ausgezeichnete
Manner, commentirten sie. Buridan von Bethune, Rector der Universität Paris, schrieb
ca. 1350 Quaestiones über die Politik des Aristoteles, welche sehr kühne Erörterungen über
Leibeigenschaft, Adel, Erbmonarchie, Gleichheit, Souveränität enthalten. Leonardus
Aretinus, florentinischer Staatskanzler, ließ 1435 seine lateinische Uebersetzung erscheinen,
velche er Alphons von Arragonien, dem Großmüthigen, dedieirte. 1567 erschien die Ueber—
setzung von Lam bin, Professor am Collège de France, Aber die beste lateinische Uebersetzung
ist von Sepulveda, welcher Chapelsin von Kaiser Karl V. und Lehrer Philipp's II. war.
Karl V., König von Frankreich, der Weise genannt, ließ 1370 eine französische Uebersetzung
»urch seinen Chapelain Oresme verfertigen. 1495-88 erschien inVenedig die älteste ge—
»ruckte Ausgabe der sämmtlichen Werke des Aristoteles; nachher eine Menge Editionen theils
ämmtlicher Werke, theils speciell der Politik. Namentlich erschienen 18581-1576 in Florenz
mehrere Specialausgaben. Nach dem 16. Jahrhundert verstummte die italienische Literatur
oor dem Despotismus, welcher die Grundsätze des Aristoteles nicht verträgt. Curiositätshalber
ritiren wir noch die Artikel Aristote im Dictionnaire von Bayle und in Voltaire's Dictionnaire
ohilosophique.

83. Das Studium der geschichte als HFülfswissenschaft.

Gründliches Studium der Geschichte ist unerläßlich zur richtigen Einficht
in die Verfassungspolitik. Sehr oft erörtern die Geschichtschreiber beiläufig
Fragen der Verfassungslehre; es ist aber nothwendig die Unbefangenheit und
Urtheilsfähigkeit derselben genau zu prüfen. Die Thatsachen können einer