7. Allgemeiner Theil der Verfassungslehre. 41

Gesetzlichkeit; dem Hasse der Terroristen entzog er sich mit Hülfe treuer
Freunde. Der revolutionäͤren Anarchie, Ineptheit und Phraseologie herz⸗
lich müde, kam er mit dem Ersten Consul und nachher dem Kaiser, mehr
noch mit dessen Bruder Joseph in nähere Verhältnisse, konnte aber die volle
Gunst derselben nicht erwerben, da er nicht die Biegsamkeit und schmeichle⸗
rische Dienstwilligkeit besaß, welche der Kaiser von seinen Umgebungen
und Werkzeugen forderte. Waͤhrend der Restauration schloß er sich der
liberalen Opposition an, aus aufrichtiger Besorgniß, daß die Excesse und
Thorheiten der Ultra's einen neuen Ausbruch der revolutionären Anarchie
hervorrufen würden. Die Discours können theilweise als didactisch für
Verfassungspolitik und Verwaltungsrecht betrachtet werden. Die historischen
Piecen beziehen sich mehr auf die Napoleonische Periode, sind aber ein wichti⸗
ger Beitrag zur Geschichte derselben und zur Charakteristik des Imperators.
Wir werden die historischen Werke, welche sich auf die Napoleonische Pe—
riode und den 2. December beziehen, so weit sie für uns Interesse haben, in
dem speciellen Abschnitte von dem Imperialismus citiren. Dagegen würde die
Geschichte der Ereignisse, welche die berüchtigten „Ordonnanzen“ herbeiführten
und die wiederholten Versuche der rothen Republik gegen den Julithron, end⸗
lich die Februarrevolution, ihre Ursachen und Wirkungen, ähnliches Material
für die Verfassungspolitik darbieten wie die Geschichte der ersten Revolution
und neues Licht auf das in der ersten Revolution enthaltene Princip und auf
die Früchte derselben werfen; aber diese Literatur ist zu massenhaft, um hier
Raum zu finden, und ohnehin bekannt genug, weil site ganz neuen Datums
ist. Dasselbe gilt von der Geschichte der Bewegungen in Deutschland nach der
Juliusrevolution und 1848. Diese sind eine Nachahmung dessen, was man in
Frankreich 1789, 1791, 1830 und 1838 angestrebt und versucht hat, eine Re—
petition der dort gereiften Früchte des revolutionären und communistischen Trei⸗
bens, und ein neuer Beweis, wie wenig die Lehren der Geschichte, auch der
neuesten, selbst bei gelehrten und gebildeten Männern, vermögend sind die
Eingebungen der Eigenliebe, des Partheigeistes, der Leidenschaft, des Ehrgei⸗—
zes zu überwinden, und sich die einfachen Sätze einzuprägen, daß gleiche Ur—
sachen gleiche Wirkungen hervorbringen und gleiche Erscheinungen gleiche Ur—
sachen voraussetzen. Für solche Leser, welchen die französische Literatur weniger
bekannt, citiren wir ausnahmsweise zur Orientirung:
Louis Blanc, istoire de dix ans — zwar einseitig und befangen, aber
reich an interessanten Thatsachen.
Guizot, Mémoires pour FPhistoire de mon temps; — der Name des Ver⸗
fassers spricht den Werth dieser Darstellungen aus.
Histoire de la Révolution de 1848. par Garnier-Pagès. 2 Vol.
gibt Enthüllungen der geheimen Politik und ist besser und mehr obiectiv