Die formale Politik oder Verfassungslehre.
als das citirte Werk von Louis Blanc und Lamartine's Geschichte, welche
„Wahrheit und Dichtung“ ist.
La vie politique de Royer-Cotlard, ses discours et éorits
par Mr. de Barante. 2. Vol. 1861.
Vielleicht wenig bekannt ist das Tagebuch eines schlichten Mannes über
die Wiener October⸗Revolution, welches so ganz ausführlich und anschaulich
ohne Tendenz die Auftritte jedes Tages und jeder Stunde erzählt und den Leser
mitten in das Gewühl, die Spannung, die Hoffnungen und Befürchtungen
jener Zeit versetzt.
Dunder, Denkschrift über die Wiener October-Revolution. Wien
1849. 908 G. 8.

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35. Menschenkenntniß die grundsage der Polsitik überhaupt und der Verfassungspositik
 insbesondere.

Die Politik hat es mit Menschen zu thun und speciell hat die Verfassung
die Beziehungen der Menschen, ihre staatlichen Rechte und Pflichten, ihr acti⸗—
ves und passives Verhalten als Glieder des Staats, als Herrschende und Ge⸗
horchende zu regeln. Hieraus folgt, daß die praktische Politik überhaupt, ins⸗
besondere die Verfassungspolitik vor Allem den Menschen und die Menschen,
wie sie in Wirklichkeit sind, kennen und beständig die Wahrheiten, welche
Menschenkenntniß lehrt, gegenwärtig haben und berücksichtigen muß, um die
Erscheinungen im täglichen Leben zu begreifen, das Mögliche zu berechnen und
die Klugheitsregeln zu erkennen, welche befolgt werden müssen, um bestehende
Einrichtungen zu erhalten, nachtheilige oder mißliebige Aenderungen oder Aus—
hrüche zu verhüten, wünschenswerthe oder angestrebte Reformen zu verwirk⸗
lichen. So trivial diese Sätze scheinen mögen, wird dennoch besonders in
neuern Zeiten täglich dagegen gefehlt und besonders von solchen, welche sich
viel zu weise dünken, um solcher Lehren zu bedürfen. Statt die Verfassungen
und die Verfassungspolitik nach den Klugheitsregeln einzurichten, welche Men⸗
chenkenntniß lehrt, glaubt man durch die Verfassung und die Gesetze die Men—⸗
chen zurichten zu können, wie man sie haben will, wie sie nach dieser oder jener
Theorie vorausgesetzt werden oder sein sollten. Statt eines lebensfähigen Or⸗
ganismus für die staatliche Gesellschaft der wirklichen Menschen, construirt man
nach speculativen Theorieen einen Mechanismus, welcher die Individuen ord⸗
aet und maßregelt. Die Menschen, welche einen solchen Staat bilden sollen,
werden entweder nach abstracten Begriffen im Gehirne solcher Theoretiker
erschaffen oder gar als ideale Wesen vorausgesetzt, die von selbst das Werk,
welches von ihnen gefordert wird, vollbringen oder als fromme Schüler nur
auf den Wink des Gesetzgebers harren, um die Vorschriften desselben zu erfüllen.